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Abgehört - die BVT-Tapes
01/31/2020

Die geheimen E-Mails der Kurzzeit-Kulturministerin

Erst diese Woche entdeckte die Öffentlichkeit, dass Europaministerin Edtstadler auch Kulturministerin war. KmS forschte nach.

von Peter Temel, Christine Karner

Dass eine Kulturministerin Verabschiedungsbriefe an ausgelaufene Kuratoriumsvorsitzende im Museumsbetrieb schickt, ist im Grunde ein üblicher Vorgang. Dennoch staunte die Öffentlichkeit über die unübliche Art und Weise und über die betroffenen Personen. Und viele staunten wohl auch darüber: Karoline Edtstadler war Kulturministerin?

In der bis Mittwoch gültigen Ministeriumsaufteilung war das eben so. Und KmS entdeckte, dass nicht erst fünf Minuten vor zwölf die ersten E-Mails der türkisen Kurzzeit-Kulturministerin rausgegangen sind. Auch diese waren selbstverständlich mit dem Koalitionspartner abgesprochen.

An den Aktionskünstler Hermann Nitsch:

… möchte ich Ihnen für das wunderschöne türkis-schwarze Bild im Büro des Herrn Bundeskanzlers meine Anerkennung aussprechen, auch wenn es schon 2009 entstanden ist. Haben Sie auch ein Schüttbild ganz in Türkis?

An den Komponisten Christian Kolonovits:

… ist mir nicht entgangen, dass Sie in einer Late-Night-Show erklärt haben, bevorzugt die Nächte durchzuarbeiten. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg, aber: Auch Künstler sollten in der Früh aufstehen!

An die Wiener Sängerknaben:

… spreche ich eine Empfehlung aus, künftig türkise Matrosenanzüge zu tragen und einen ernsteren Gesichtsausdruck an den Tag zu legen.

An ihre Nachfolgerin, Staatssekretärin Ulrike Lunacek, nach deren ersten Interviews:

… Ich finde Bob Dylan auch langweilig. Aber war dieses Wording vorher abgesprochen?

An Filmregisseur Michael Haneke:

… möchte ich Ihnen zu Ihrem Gesamtwerk gratulieren. Mir gefällt diese formale Strenge.

An den US-Rock-Künstler Marilyn Manson:

… möchte ich Sie darüber in Kenntnis setzen, dass es in Österreich zu einer kuriosen Verwechslung kam. Welchen Lippenstift verwenden Sie eigentlich?

An die Synchron-Satiriker maschek:

… möchte ich noch einmal bekräftigen, dass ich die Darstellung meiner Person als ‚Tod‘ ausgesprochen lustig fand. Als Beweis für meinen Humor …

… fügte Edtstadler ihren Brief an Literaturnobelpreisträger Peter Handke an:

… grüßen Sie mir bitte die Herren Homer, Tolstoi und Cervantes. ;) Meines Wissens haben die drei noch gar keinen Nobelpreis … :)

An die Musikkapelle Elixhausen (Salzburg):

… ich war damals die junge Frau an der Oboe. Jetzt bin ich Kulturministerin. Wie wär’s mit einem gemeinsamen Auftritt als Vorband am 1. Jänner im Wiener Musikverein? Wolfgang Sobotka könnte dirigieren.

Und an 8.001 Kunstschaffende der aufmüpfigen freien Szene:

… lade ich Sie herzlich zu einer drei Monate dauernden Reise nach Brüssel mit dem ÖBB-Nachtzug ein. Mit freundlichen Grüßen …

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