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Abgehört - die BVT-Tapes
12/02/2019

Lauschangriff: SPÖ-Kündigungen demnächst per WhatsApp

Geht die SPÖ in Obduktion? Kommt Genossen von Genießen? Rendi und Ludwig beim Selbstverteidigungskurs.

von Birgit Braunrath, Christine Karner

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sucht derzeit nach einer passenden Kampfsportart, um sich für die Wien-Wahl gegen den Wehrsportler Strache fit zu machen. Am Rande eines Selbstverteidigungskurses trifft er überraschend Pamela Rendi-Wagner. KmS hat das geheime Protokoll des gar nicht matten Mattengesprächs.

Ludwig: Was mochst denn du da?

Rendi-Wagner: Überlebenstraining.

Ludwig: Na des wird die Bundespartei a nimmer retten. Heast, Päm, reißt’s euch lieber endlich zam in der Löwelstraß’n, du und der Deutsch! I hob demnächst a Wahl zu g’winnen ...

Rendi-Wagner: Gewinnen? Demnächst? Da empfehle ich, die Partei zu wechseln.

Ludwig: Sei du ned goschert! Hast es eh g’les’n im KURIER? I sag brav im Interview: „Wir lassen niemanden im Stich“, und damit warst du g‘mant. Aber lang kann i di nimmer halt’n! Hätt’st doch wenigstens pünktlich dei Parteisteuer zahlt! 13.000 Miese – wo gibt’s denn sowas?

Rendi-Wagner: Ich habe wahrlich nicht gewusst, dass die schwere Aufgabe, die auf meinen Schultern lastet, auch noch vergnügungssteuerpflichtig sein soll.

Ludwig (äfft sie nach, leicht nasal): ... „habe wahrlich nicht gewusst“ ... wieso red’st du eigentlich ständig so g’schraubt, als warad ma im Burgtheater? Des passt ned zu uns.

Rendi-Wagner: Ich spreche nicht geschraubt, sondern stets so, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

Ludwig: Haha, der Schnabl Franz? Der is vielleicht dir gewachsen, aber du eam sicher ned. Vorige Woch‘n hat er öffentlich über di g‘sagt: „nicht regierungs- und auch nicht oppositionsfähig“.

Rendi-Wagner: Ich bin Oppositionsführerin, und ich bleibe Oppositionsführerin. Die SPÖ ist in der Opposition.

Ludwig: Und demnächst in der Obduktion, wenn‘s in der Löwelstraß’n so weitermachts ... Kündigungen per Schimmel-E-Mail verschicken, i man, geht’s no bei eich?

Rendi-Wagner: Der elektronische Brief ist eine wertschätzende Form der Übermittlung. Wir sind da sehr menschlich vorgegangen, wenn man bedenkt, dass in der heutigen Zeit immer mehr Menschen per WhatsApp Schluss machen oder ihr Gegenüber einfach ghosten.

Ludwig: Päm! Bis du wo ang’rennt? Ghosten? Fühlst du di ned selber langsam wie in der Geisterbahn, wennst in die Löwelstraß‘n kummst und da hängen am Eingang Protestplakate gegen di: „Solidarität, Genossen!“

Rendi-Wagner: Ich sage das ganz deutlich: Es ist genug genossen! Jetzt wird gearbeitet! Von Genuss allein kann der Mensch nicht leben. Die SPÖ ist eine Arbeiterpartei.

Ludwig: Päm! Genossen kummt ned von Genuss! Mir scheint, der Androsch hat Recht g’habt mit sein Sager: „Die SPÖ ist ein Opfer von Bobo-Quereinsteigern geworden.“

Rendi-Wagner: Wer, bitte, ist dieser Ambrosch? Ich lasse mir von Alt-Austropoppern sicher nicht meine Arbeit schlechtreden.

Ludwig: Welche Arbeit? Es wird doch nur g’stritt’n in der Partei!

Rendi-Wagner: Aber das macht doch die FPÖ ganz genauso. Daher dachte ich, Clash of Clans ist gute Oppositionspolitik.

Ludwig: Heast, Bobo-Quereinsteigerin, du solltest langsam Politik lernen!

Rendi-Wagner: Politik ist im Moment nur ein Nebenprodukt der SPÖ-Arbeit. Das Wichtigste zuerst. Ich belege einen Selbstverteidigungskurs, ein Unachtsamkeitsseminar in Mitarbeiterführung sowie ein Krafttrainingscamp, denn ich habe von meinen Vorgängern einen Rucksack voller Steine übernommen.

Ludwig: Na genau! Der Sager mit dem Rucksack war wia a Sta am Schäd'l! Da hast an Sta ins Roll'n bracht, alle Sozialmedien san seither voll mit Kritik von unsere Leut‘ an dir ...

Rendi-Wagner: ... und ich antworte verlässlich auf alle Postings mit „Daumen hoch!“. Denn das bedeutet: „Gebt’s a Ruh!“ Habe ich übrigens von einem früheren politischen Mitbewerber gehört. Wie du siehst, lerne ich sehr wohl Politik.

Ludwig: Sag, merkst du ned, wie sehr der Hut brennt? Für die Gemeinderatswahlen in Niederösterreich kandidieren statt uns bald lauter „Namenslisten“. Und der Dosko, der tritt sogar bei den Landtagswahlen mit „Liste Doskozil“ an. Die SPÖ stirbt aus!

Rendi-Wagner: Nicht so lange eine Ärztin an ihrer Spitze steht. Wir werden intensivmedizinische Maßnahmen einleiten, für die Überlebensfunktionen. Wenn jeder Funktionär und jede Funktionärin eine eigene Liste gründet, ist das die beste Medizin: Der parteiinterne Streit ist dadurch beendet, wir werden wieder gewählt, und nach den Wahlen bilden alle unsere Namenslisten eine Riesenkoalition – Problem gelöst ...

Ludwig: ... Patient tot! HEAST, PÄM, jetzt reißt’s euch endlich zam in der Löwelstraß’n, du und der Deutsch! I hob demnächst a Wahl zu g’winnen ...

Rendi-Wagner: ... du meinst sicher: „eine Wahl zu verlieren“?

Ludwig: Na, sicher ned. I bin der nächste Bürgermeister von Wien!

Rendi-Wagner: Ja, und ich die erste gewählte Bundeskanzlerin von Österreich. Mach‘ dir keine Sorgen, das ist nur eine vorübergehender Anflug von Realitätsverlust. Ich kenne das, persönlich und auch als Medizinerin. Und ich sage dir: Es ist heilbar.

Ludwig: Du? Kanzlerin? Vielleicht im Traum! Aber dann bist aufg'wacht und warst der Pleiten-Pech-und-Pannendienst.

Rendi-Wagner: Solltest du damit auf die angespannte Finanzlage der SPÖ anspielen,  kann ich dir für deinen Wien-Wahlkampf meinen zeitgemäßen Slogan – kostenneutral – weiterreichen: „Menschlichkeit siegt!“.

Ludwig: Super, und damit mach i dann 21 Prozent? Na danke! Den wü i ned amoi g’schenkt.

Rendi-Wagner: Dann behalt ich mir meine Menschlichkeit eben. Du, Michael, darf ich dich noch was fragen: Wieso attackieren mich nur Witzfiguren wie Schnabl oder Dornauer, und Ihr Landeskaiser tut öffentlich so, als hieltet Ihr zu mir?

Ludwig: Päm, mir brauch’n di! Sonst kummt am End no wer auf die Idee, dass a Nachfolger her muass. Und, ehrlich, auf den Schleudersitz setzt si ka normaler Mann.

Rendi-Wagner: Dann also doch die Bures!