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Abgehört - die BVT-Tapes
07/22/2019

ÖVP will Problem-Reißwolf zum Abschuss freigeben

Ein Reißwolf, der Ex-Kanzleramtsdaten fraß, wird für die ÖVP zum Problem. "KURIER mit Schlag" hat Stimmen dazu eingefangen.

von Birgit Braunrath, Christine Karner, Peter Temel

Zunächst präsentierte sich die Parteispitze in der Reißwolfcausa noch lammfromm. Kanzleramtsanwärter Sebastian Kurz im Schafspelz: "Das ist ein völlig normaler Vorgang. Ich weiß, dass das Fressen heikler Daten kein schöner Anblick ist, aber der Machterhalt wird nicht ohne hässliche Bilder gehen."

Ex-ÖVP-Chef und Landesjägermeister Josef Pröll wurde dann aber doch deutlich: "Ich sage seit Jahren: 'Den Wolf braucht kein Mensch!' – Jetzt hat die ÖVP den Schaden. Der Problemwolf, der die Kanzleramtsfestplatte gefressen hat, muss zum Abschuss freigegeben und die Wiederansiedlung der Reißwölfe sofort gestoppt werden!"

Das Wolfsforschungszentrum Ernstbrunn entgegnete daraufhin in einer Presseaussendung:
"Jener ÖVP-Mitarbeiter, der für die Schredderfütterung verantwortlich war, wird bei uns als Leiter der Reißwolfzucht eingestellt. Der Reißwolf selbst darf natürlich nicht zum Abschuss freigegeben werden. Er wird bei uns mit einer Artgenossin gekreuzt. Wir rechnen mit Reißwolfwelpen im nächsten Frühjahr."

Herbert Kickl, der noch vor Kurzem stolz seine homöopathisch dosierten Sympathiewerte kommentierte ("Irgendeiner muss der Letzte sein, und das bin ich!") fürchtet nun, dass ihm jemand in Sachen Unbeliebtheit den Rang ablaufen könnte: "Das Ex-Bundeskanzleramt soll sich nicht so wichtig machen. Auch ich habe in meinem Ministerium den Reißwolf wüten lassen!"

Der Zahnarzt des Problem-Reißwolfs: "An Kurz und den Kanzleramtsdaten hat sich mein Patient fast die Zähne ausgebissen."

"Es kann nur einen geben!" - poltert Kurt Scheuch (FPÖ), 2002 bekannt geworden als "Reißwolf von Knittelfeld"

Karl Nehammer, ÖVP-Generalverteidigungssekretär, kalmierend: "Das Bundeskanzleramt, immer nah an den Menschen, wollte den Mitgliedern der 'Soko Ibiza' doch nur einen Urlaub ermöglichen. Das Durchforsten so einer Problemfestplatte hätte unnötig viel Arbeit gemacht."

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