Kabarettist Klaus Eckel

© Kurier / Juerg Christandl

Andererseits
08/12/2019

Anwalt der Unzufriedenheit

Ebola, Mikroplastik, Handyempfangslöcher. Die neuen Gefahren sind unsichtbar.

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Vor Kurzem durfte ich im Supermarkt ein junges Paar beim Einkaufen belauschen. Der Mann, dessen Blick permanent auf sein Smartphone gerichtet war, gab sich schockiert. „Zwischen den Zucchini und den Bananen fällt ständig der Empfang von LTE auf 3G runter“. Darauf erwiderte seine Freundin „Wart ab, vorn bei den Cornflakes hast du manchmal sogar nur E.“ Ich konnte dann beobachten, wie die Beiden mit ihrem Einkaufswagen das Regal mit den Frühstücksflocken großräumig umfuhren.

Probleme die andere gerne hätten

Ebola, Mikroplastik, Handyempfangslöcher. Die neuen Gefahren sind unsichtbar. Prinzipiell ist es ein Zeichen von Wohlstand, dass in Österreich etliche Gespräche um Probleme kreisen, welche 99,9 Prozent der Weltbevölkerung gerne hätten. Da wird beklagt, dass die Brieftasche durch die vielen Kundenkarten immer dicker wird, dass man mehr Hemden als Kleiderbügel besitzt und dass bei der elektronischen Zahnbürste der Akku viel zu schnell leer ist. Bei dem Satz: „Wenn i händisch putz, schmerzt nachher mei Handgelenk“, musste ich schon einmal Verständnis zeigen.

Die innovative Kraft der Unzufriedenheit

Da stellt sich die Frage: Ist der Mensch für Zufriedenheit überhaupt geschaffen? Der Dalai Lama würde sagen: „Ja.“ Nur halte ich ihn für einen Theoretiker, weil er hat weder pubertierende Kinder noch die Süd-Ost-Tangente. Außerdem sei den ganzen „Finde-deine-Mitte“-Gurus einmal ins Stammbuch geschrieben, dass die Unzufriedenheit eine innovative Kraft besitzt. Der Erfinder der Brücke wollte nicht mehr über den Fluss schwimmen, der Erfinder der Wäscheklammer wollte seine Hemden nicht mehr in die Höhe halten und den Erfinder des Kondoms frustrierte das ständige Alimente-Zahlen. Wer weiß – vielleicht sitzt das Paar aus dem Supermarkt gerade zuhause am Wohnzimmertisch und bastelt an Empfangsantennen für Cornflakesverpackungen.

Der Kabarettist Klaus Eckel ist einer der Autoren dieser Kolumne.