Kabarettist Klaus Eckel

© Kurier / Juerg Christandl

Andererseits
04/15/2019

Ausgebuttert

Wir leben in einer Welt der unbegrenzten Fehlentscheidungen.

Ich stehe im Supermarkt vor dem Kühlregal und darin befindet sich: Handbutter, Streichbutter, Landbutter, Cremebutter, Sauerrahmbutter, Biobutter, Almkräuterbutter und Olivenölbutter. Auf dem Einkaufszettel, den mir meine Frau in die Hand gedrückt hat, steht: Butter.

Das ist die Falsche

Das bedeutet, mit einer 87,5 Prozent Wahrscheinlichkeit wird mir meine Frau zu Hause mitteilen: Das ist die Falsche! Wir leben in einer Welt der unbegrenzten Fehlentscheidungen.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum immer mehr junge Paare beim Heiraten zögern. In dem man am Standesamt zu dem einen Partner "Ja" sagt, sagt man leider gleichzeitig weltweit zu vier Milliarden anderen potenziellen Partnern "Nein".

Angeblich würden viel mehr Paare heiraten, wenn es am Standesamt auch die Möglichkeit gäbe, zueinander "Vielleicht" zu sagen. Etliche Menschen bleiben gerne ein Leben lang im Umschau-Modus.

Große Fragen

Im Vergleich dazu gab es im 17. Jahrhundert für das Leben eines beispielsweise männlichen Landjugendlichen relativ fixe Voreinstellungen. Große Fragen wie: "Wo werde ich leben? Welchen Beruf sollte ich ergreifen? Wen könnte ich heiraten?" wurden vom Vater gerne abgenommen. "Du übernimmst den Hof, wirst – so wie ich, der Opa und der Ur-Opa – Getreidebauer und heiratest die Tochter vom Nachbarn, weil da verdoppelt sich unsere Ackerfläche."

Sicherlich wurde damit ein etwaiger Wunsch nach Selbstverwirklichung frühzeitig in die Ecke gestellt, aber zumindest stolperte der Landjugendliche nicht den ganzen Tag mit einer Zweifelwolke über dem Haupt durchs Leben.

Doch am allermeisten beneide ich den früheren Landjugendlichen um Eines. Wenn er bei sich zu Hause in den Kühlraum ging, lag dort nur eine Art von Butter.

Der Kabarettist Klaus Eckel ist, alternierend mit Kollegen, regelmäßig Autor dieser Kolumne.