© Nadja Maleh

Andererseits
02/02/2020

Die Hoffnung stirbt – wenn überhaupt – dann zuletzt!

Die Kabarettistin Nadja Maleh über das Älterwerden und die überirdische Post.

Wenn man sehr jung ist und ältere Menschen mit Fältchen oder kleinen Wehwehchen sieht, dann denkt man sich: „Bei mir wird das sicher ganz anders!“ Und schwups ist man älter und bekommt Fältchen und kleine Wehwehchen.

Wenn man dann älter ist und sehr alte Menschen mit Schnecken-Gehtempo und liebenswerten Schrulligkeiten sieht, denkt man sich wieder „Bei mir wird das sicher ganz anders!“ Und schwups ist man alt und bekommt .... Sie ahnen es, das ganze Paket! Gott hat definitiv Humor! Vielleicht ist das eine Art Schutzmechanismus, der unsere natürliche Angst vor dem Älterwerden vernebelt! Dieses heile Fantasiegebilde der rosigen Zukunft lullt uns ein und singt uns sirenengleich das Lied der ewig straffen Haut und des Rückgrats aus Platin. Und wir drehen auf volle Lautstärke und singen mit „Bei mir wird sicher alles anders als bei allen anderen, Trallalalaaa!“. Warum nicht?! Realismus wird überbewertet!

Ja, es gibt sehr unterschiedliche Arten zu altern, aber eines haben alle gemeinsam: Man wird älter. Und das ist ja auch gut so. Denn die Alternative ist tot zu sein, und das klingt für mich deutlich weniger attraktiv. Ich freue mich tatsächlich über jeden einzelnen Tag, an dem ich aufwache und Herrin meiner sieben Zwetschgen bin. Nichts ist selbstverständlich, und das Leben schuldet mir nichts. Alles ist ein Geschenk. Gut, manche Geschenke würde ich dem Leben gerne wieder zurückgeben mit der Aufschrift „Empfängerin unbekannt verzogen“, aber es hat sich herausgestellt, dass das Leben immer Kenntnis über meine aktuelle Adresse hat. Die überirdische Post funktioniert – im Gegensatz zur irdischen – immer! Und ganz am Ende, wenn man dann endgültig ins Unbekannte verzogen ist, eben mit Nachsendeauftrag.

Aber bis dahin volle Kraft voraus!!