Die Kabarettistin Nadja Maleh ist, alternierend mit Kollegen, regelmäßig Autorin dieser Kolumne

© Jeff Mangione

Andererseits
10/14/2019

Eine Schadensmeldung

Ich habe einen Schaden. Das ist jetzt keine große Neuigkeit, meine Freunde würden das achselzuckend bestätigen! Aber was ich hier meine, ist ein Wasserschaden.

Meine Duschwanne ist gebrochen. Nein, nicht weil ich ein paar Tonnen zugenommen habe und Duschwannen eben nicht für Walrösser konstruiert sind! Sondern weil sie offenbar fehlerhaft gebaut war. Oder weil Dinge einfach kaputt gehen. Jetzt sammelt sich Wasser unter dem Laminatboden im Vorraum, der sich wellt. Im Zuge dieser Erfahrung muss ich bemerken: Ich hasse es, wenn Dinge kaputt gehen, das ist lästig, es nervt mich! Dinge haben einfach zu funktionieren. Geht’s Ihnen auch so?

Aber was ist denn das bitte für eine lebensfremde Einstellung? Dinge halten eben eine gewisse Zeit lang, dann werden sie abgenutzt und irgendwann kaputt. Auch Menschen entkommen dem Wandel der Zeit nicht. Spätestens seit meinem 40. Geburtstag sollte mir doch eigentlich glasklar sein, dass NICHTS auf dieser Welt ewig hält. (Außer Madonna. Straff und faltenfrei wie in den 80-er Jahren. Ich muss anerkennend bemerken: ich glaube, die hat eine längere Haltbarkeit als Radioaktivität.) Mir ist also durchaus bewusst, dass alles früher oder später ein Service benötigt. Auch mein Körper braucht hin und wieder eine Wartung oder eine Reparatur! Und dennoch fühle ich mich jedes Mal überrumpelt, wenn es passiert, aus dem geschmeidigen Fluss des Lebens gerissen. Aber manchmal muss etwas Altes kaputt gehen, damit Platz für etwas Neues geschaffen wird. „Im Nachhinein ist man immer gescheiter“, heißt es doch. Vielleicht wird mich meine neue Duschwanne deutlich gescheiter machen als die alte. Und erfolgreicher! Und jünger! So wie Madonna! Juhu, eine magische neue Duschwanne!

So betrachtet ist jeder Schaden doch irgendwie auch ein Segen! Oder?

Die Kabarettistin Nadja Maleh ist, alternierend mit Kollegen, regelmäßig Autorin dieser Kolumne