Andererseits
04/01/2019

In acht Milliarden Jahren

In einigen Meeren schwimmt bereits so viel Plastik herum, dass sich ein Eintauchen darin bald anfühlen wird wie ein Köpfler ins Ikea-Bällebad.

Bitte verlassen Sie das WC so, wie Sie es vorgefunden haben.“ Immer wenn ich diesen Satz an der Tür einer Zugtoilette lese, denke ich an unseren Planeten. Ich hoffe nämlich, dass vor 300.000 Jahren die ersten Homo Sapiens niemals auf ein ähnliches Schild trafen. „Bitte verlassen Sie die Erde so, wie Sie sie vorgefunden haben.“

Gerade in den vergangenen 100 Jahren haben wir Menschen auf diesem Planeten nicht nur die Möbel verschoben. In einigen Meeren schwimmt bereits so viel Plastik herum, dass sich ein Eintauchen darin bald anfühlen wird wie ein Köpfler ins Ikea-Bällebad. Trotz meiner Beteiligung an diesem Zustand sag’ ich jeden Abend zu meinen Kindern: „Räumt endlich euer Zimmer auf“. Das Argument meiner Tochter, „räum du einmal den Planeten auf, dann fang ich auch mit meinem Zimmer an!“, wirkt da nicht ganz unberechtigt.

In einem Gedanken findet mein schlechtes Gewissen jedoch Ruhe. In acht Milliarden Jahren ist es mit unserem Planeten sowieso vorbei. Angeblich dehnt sich dann die Sonne aus und verschlingt die Erde. Und laut etlichen Experten können wir Menschen diese Tatsache mit Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit um maximal vier Tage nach hinten verschieben. Als bequemer Mensch lege ich mich bei so einer Information sofort innerlich zurück und denke mir: „Was? In acht Milliarden Jahren wird die Erde von der Sonne verschlungen? Das ist bald! Also, da fang ich heut nix mehr an!“

Der Kabarettist Klaus Eckel ist, alternierend mit Kollegen, ab sofort regelmäßig Autor der Kolumne "ANDERERSEITS".