Paul Pizzera - Andererseits

Kabarettist Paul Pizzera

© Moritz Schell

Andererseits
12/15/2019

Ka Lauer Winterabend

Kabarettist Paul Pizzera über Kinderpunsch, Tinderwunsch und vieles andere Weihnachtliche.

Welche Inselgruppe im Indischen Ozean fordert dazu auf, Opernsängerinnen zu zeichnen?

Richtig, die Male Diven! Zugegeben, da muss man schon mehrfach um die Ecke denken, wie Taxifahrer ohne Navigationssystem. Aber bestimmt stellt diese Frage kein Problem für belesene Fernfahrer dar, weil sie den ganzen lieben langen Tag mit Seitenstreifen verbringen, warum sie auch umgangssprachlich Truckerdemiker genannt werden.

Philosophiestudenten hingegen fristen ein weniger nüchternes Dasein und haben ka Müh’ beim Vorglühen dem kategorischen Aperitif zu frönen, der, wenn er nicht gut zubereitet wurde, richtig hegelhaft schmeckt und bei den jüngeren ihrer Zunft auch zum Erprechten führen kann.

Dazu reiche man stets Kantwurst auf Leibnizkeksen. Gerade zur Christkindlmarktzeit lassen solch feucht-fröhliche Dezemberabende die Männer oftmals zu Weihnachtsfeiern werden und enden dann meist in desolaten Bordellen, die der Volksmund auch als Nacktbar in Not bezeichnet. Denn mit jedem Kinderpunsch steigert sich der Tinderwunsch. Doch möcht ich zum Abschluss versöhnlich sein und reim noch etwas Persönliches ein. Ein wahre Geschichte von mir, ich war jung und von moraler Befriedigung:

Am „Behinderten-Parkplatz“ steht ein weißer Mercedes, doch das Pärchen, das entsteigt, bewegt sich rasch und per pedes.

In der Jahreszeit, wo die Barmherzigkeit blüht, bleibt mir dieser Fauxpas nicht ungesühnt.

Mit kaltem Bier im Warmen sitzen, trinkt’s sich gänzlich unbeschwert, doch sind zur Zeit der Standlfritzen die Normen gänzlich umgekehrt.

Darum lass ich entspannt über sein Wunschkennzeichen gelassen-galant 3 Liter Punsch entweichen.