© Kurier/Jeff Mangione

Andererseits
10/26/2019

"Was hab ich denn schon gegessen?"

Der Mensch braucht ja zum Überleben nichts mehr als einen regelmäßigen Stuhlgang. Joesi Prokopetz über einen Gasthausbesuch im Salzkammergut.

Ich sitz im Salzkammergut in einem Gasthaus – beinah ein Restaurant – und esse. Eine Kleinigkeit nur.

Man soll sich ja zurückhalten beim Essen, wenn man älter ist und die Bequemlichkeit langsam über die Mode triumphiert und man sich nach dem Schuhe zubinden, ein biss‘l hinlegen möchte.

No, was hab ich denn schon gegessen: Eine Grießnockerlsuppe mit zwei Grießnockerln zwar, aber mein Gott; einen hervorragenden Rostbraten mit einem ganz dünnen Fettrandl nur und diesen breiten Bandnudeln und dann so zwei, drei kleine Biskuit mit dieser flüssigen Schokolade drin, die so herausquillt, wenn man s’ ansticht. Also, nicht weiß Gott was. Weil meine Frau oft sagt: "Wie du schlanker warst, sind wir einander nähergekommen." Eine eheliche Lieblosigkeit.

Die zwei, drei Schnäpse, die ja eigentlich Verdauungsschnapserln waren, die haben doch keine Kalorien!

Der Mensch braucht ja zum Überleben nichts mehr als einen regelmäßigen Stuhlgang. Warum er sich da den Kopf über Paralleluniversen zerbricht, bleibt unklar. Ich sitz’ also nach dem Essen in diesem Gasthaus im Salzkammergut, das beinahe ein Restaurant war, einfach so da, trink eine Melange, kommt ein Mädel – Kellnerinnenlehrling, zweites, drittes Lehrjahr und fragt mich – wie es ja jetzt in der gehobenen Gastronomie schon lange üblich ist: "Ist bei Ihnen alles in Ordnung?" Sag ich: "Nein, mein Blutdruck ist zu hoch, mein Cholesterin ist grenzwertig, ich neige zum Rundrücken, habe in fast jeder Lebenslage Kreuzweh und krieg graue Haare, weil ich mich so über meine Falten ärger. Und überhaupt bin ich draufgekommen, dass meine Existenz vollkommen sinnlos ist."

Sagt dieses … Mensch … zu mir: "Darf es sonst noch was sein?"

"…"

Der Kabarettist Joesi Prokopetz ist regelmäßig Autor dieser Kolumne.