Klaus Eckel

Kabarettist Klaus Eckel

© Kurier / Juerg Christandl

Andererseits
11/03/2019

Wir übernehmen euch

Moderne Autos wollen, dass wir möglichst wenig mit der Fahrt zu tun haben. Klaus Eckel über die neu gewonnene Freizeit.

von

Vor Kurzem hat mir mein Zahnarzt von seinem neuen SUV vorgeschwärmt. Dieser hätte ein eingebautes Pilot-Assistenz-System. Bei einer Autobahnfahrt von Wien nach Salzburg müsste er kein einziges Mal mehr ins Steuer greifen. Leider verlangt dieses System regelmäßig nach am Lenkrad befindlichen Händen.

Deshalb hat er jetzt auf der Innenseite des Lenkrades mit Klebeband zwei Bananen befestigt. Diese täuschen dem Pilot-Assistenz-System menschliche Hände vor.

Da das ökologische Gewissen bei einem SUV gerne aufheult, verwendet mein Zahnarzt zumindest zwei Biobananen. Ich hoffe unsere Autos werden diese Täuschung niemals bemerken. Es würde sie kränken. Nur wie wird der Mensch die hinter dem Lenkrad gewonnene Freizeit nützen?

Einige werden sich wahrscheinlich auf das Schimpfen von anderen Verkehrsteilnehmern konzentrieren. Bald können wir das Auto bremsen, lenken und mit beiden Händen gleichzeitig den Mittelfinger zeigen.

Leider arbeiten bereits einige Automarken daran, als Extra-Ausstattung am Autodach eine riesige Plastikhand anzubieten.

Die wird dann autonom alles zeigen können. Von „Hereinlassen“ bis „Trottel-Deppader“.

Moderne Autos wollen, dass wir möglichst wenig mit der Fahrt zu tun haben. Müdigkeitssensor, Abstandskontrolle und Pilot-Assistenz System. Ich fühle mich von meinem Auto zunehmend besachwaltet. Wenn ich in wenigen Jahren bei der Bank ein Konto eröffne, steht wahrscheinlich mein Auto in der Filiale neben mir und wird unterschreiben.

Nur in einem bin ich mir sicher, egal wie intelligent unsere fahrenden Gefährten in Zukunft sein werden – die Rettungsgasse kapieren sie nie.