Ex-FPÖ-Politiker Hilmar Kabas (li.) und Peter Westenthaler

© Jürg Christandl

Angezählt
04/01/2019

Beidl und Seidl, Stunk und Trunk: Die peinlichsten Dicht- und Undicht-Affären

Ein FPÖ-Mandatar sagt im Parlament "Beidl". Meinte er "Seidl"? Ist "Hump oder Dump" statt "Lump" nur plump? Oder fast schon Trump?

In der Rubrik "Angezählt" bringen wir Woche für Woche lustige und weniger lustige Listen

Kann man sich mit dummen Tiefschlägen selbst k.o. schlagen? Nicht, wenn man eine noch dümmere Ausrede parat hat. Ja, Worte fallen. Mitunter. Aber dass sie gefallen sind, muss nicht heißen, dass sie auch gesagt oder gar gemeint worden sind. In der Stunde der Wahrheit muss schnell ein Reim her. Egal, ob aus den Fingern gesogen oder an den Haaren herbeigezogen. Die sieben schönsten Dicht- und Undichtaffären der heimischen Politik:

1. Seidl statt Beidl

Vergangene Woche bezeichnete der FPÖ-Mandatar Wolfgang Zanger im Parlament vom Rednerpult aus "die Betriebsräte und Gewerkschafter" samt und sonders als "Beidln". Anschließend wollte er dann möglicherweise doch eher gesagt haben: "Trinken wir lieber ein Seidl", bis er dann auf Nachfrage von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka Seidl und Beidl per Kopfnicken, aber ohne Ausdruck irgendeines Bedauerns, zurückzog.

Video: "Beidl"-Zitat ab Minute 2:00

2. Verwehter statt Verräter

Im November 2002 nannte Jörg Haider den fürs Team Schüssel als Finanzminister antretenden Karlheinz Grasser einen "Verräter". Das kam nicht gut an, das Volk musste sich verhört haben. Der damalige 2. Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn spielte Hörgerät und korrigierte den, wie er es nannte, "Hörfehler": Haider habe "Verwehter" gesagt.

3. Schweigen statt Schwein

In einer Rede im September 2007 soll der Tiroler Altlandeshauptmann Herwig van Staa den ehemaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer als "Schwein" bezeichnet haben. Er klagte den Journalisten, der einen Tonbandmitschnitt dieser Rede veröffentlicht hatte. Das Band sei manipuliert worden, er, van Staa, habe "Schweigen" gesagt. Erst in letzter Instanz wurde der Journalist vom Vorwurf der üblen Nachrede freigesprochen. Schwein gehabt.

4. Falsch - genau, statt richtige Sau

Apropos Schwein. Bei der berühmten "Frühstücksaffäre" in Amsterdam 1997 soll der damalige VP-Außenminister Wolfgang Schüssel den Chef der deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, vor Journalisten als "richtige Sau" bezeichnet haben. Schüssel konnte sich keinen Reim darauf machen. Dabei hätte sich "Pfau" echt angeboten. Aber Wolfgang Schüssel entschied sich für Richten statt Dichten und leugnete konsequent, das je gesagt zu haben.

5. Hump oder Dump statt Lump

Der Prototyp politischer Dumpf-Dichtung: Im Februar 2000 sagte der damalige Wiener FPÖ-Landeschef Hilmar Kabas, Bundespräsident Thomas Klestil benehme sich "wie ein Lump". Später will Kabas aber "Hump oder Dump" gesagt haben. Plump, beinahe schon Trump.

6. Trunk statt Stunk

Im Jänner 2002 machte Peter Westenthaler - nicht zum ersten Mal - im ORF Druck, besser gesagt: Trunk. Er wurde zu einer politischen Diskussion eingeladen. Aber Westenthaler, der zu dieser Zeit einen leitenden ORF-Redakteur aus dem Amt intervenieren wollte, soll gedroht haben, er komme erst, "wenn diese Frage beendet ist. Sonst gibt's Stunk." Später korrigierte er sich auf: "Sonst kommt die Trunk." Ob er sich tatsächlich von Melitta Trunk, der damaligen Kärntner SPÖ-Bundesrätin und Frauenvorsitzenden, vertreten lassen wollte, oder ob die Drohung nur ein Reim-Schnellschuss ins eigene Knie war, konnte nie ganz geklärt werden. Womöglich war Westenthaler zu diesem Zeitpunkt aber einfach nur trunken vom Machtrausch.

7. Laider statt Haider

Anfang 2014 stieß die Justiz auf äußerst skurrile "Abrechnungen" bei Untersuchungen rund um den Eurofighter-Ankauf. Geprüft wurde, ob der Eurofighter-Hersteller EADS Scheinfirmen eingesetzt und Schmiergeld gezahlt habe. Fündig wurde man bei der Briefkastenfirma "City Chambers Limited". Die kassierte nämlich zwischen 2003 und 2009 mehr als acht Millionen Euro für "Lobbying-Gespräche" mit hochinteressanten Persönlichkeiten, die in den Abrechnungen namentlich genannt werden: "Dr. Luessel", "K.H. Lasser", "Dr. J. Laider", "Dr. Reibner" und "Mr. Wartenstein" konnten zwar in keinem amtlichen Telefonbuch gefunden werden, reimen sich aber alle unerklärlicherweise auf die Namen damaliger politischer Entscheidungsträger wie Schüssel, Grasser, Haider, Scheibner und Bartenstein - das muss ein Zufall sein! Oder ein Sprachfehler.