Birgits Box
04/01/2019

Es wird ernst(haft)

Wie ernst muss Satire werden, wenn die realen Schagzeilen Satire pur sind?

Oft wurde uns im Vorfeld des Satire-Projekts KURIER mit Schlag die Frage gestellt: „Darf Satire alles?“ Wir tendierten bisher einhellig zur Antwort: Ja.

Doch die Antwort, die sich vergangene Woche aufgedrängt hat, lautet eindeutig: Nein. Satire darf nicht die Realität in Geiselhaft nehmen, weil das uns Satiriker in die Ernst-Haft drängt. Wenn die Satire sich räuberisch der realen Schlagzeilen bemächtigt, ist das unlauterer Wettbewerb, der dem Satiriker die Arbeits- und Existenzgrundlage entzieht.

Wenn die Briten jetzt, drei Jahre nach dem Referendum, tatsächlich Angst vor einem Slow Brexit kriegen: Kann man da noch Witze über Radarfallen für Schnecken machen? Oder muss man sich ernsthaft fragen, wie lange erst ein Austritt Sloweniens und der Slowakei dauern würde?

Wenn die Pferde, die Viktor Orban Herbert Kickl von Gaulleiter zu Gaulleiter geschenkt hat, jetzt tatsächlich lahmen und die Beziehungen lähmen  und in Ungarn auf Pferde-Reha kommen sollen: Kann man da noch satirisch den Senf "Totaler Leber-Kas!" dazu druck'n? Oder muss man die beiden Reservecowboys Orban und Kickl ernsthaft ermahnen, dass ein geschenkter Gaul keine Hengstbissigkeit rechtfertigt?

Und wenn Stefan Petzners tanzartige Verrichtung jetzt laut Dancing-Stars-Jury zur „Alienabschreckung“ eingesetzt werden soll: Darf man dazu noch „Tanz-a-nia“-Witze machen? Oder muss man ernsthaft Amnesty International zum Schutz der Aliens einschalten?

Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie ab sofort täglich auf kuriermitschlag.at – viel Vergnügen!