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Chmelar schlägt nach
06/10/2019

"Haben Sie auch Unterhosen aus diesem Material?"

Der Prinz der Peinlichkeiten – der König der Realsatire – die besten Sprüche von Philip, der am 10. Juni 98 Jahre alt geworden ist. Gesammelt von Dieter Chmelar.

von Dieter Chmelar

Philips typisches Kennzeichen: Der britische Prinzgemahl nimmt sich kein Blatt vor den Mund und sorgt mit seinen Sprüchen für Aufsehen. "Bewerft ihr euch immer noch mit Speeren?", fragte er etwa Ureinwohner während einer Australienreise. Den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl begrüßte er 1997 sogar mit den Worten: "Willkommen, Herr Reichskanzler". Für viele ist er der "König des Fauxpas". Andere glauben hingegen, dass er mit solchen Bemerkungen einfach nur die Atmosphäre auflockern möchte.

„Ich hatte nie besondere Hemmungen, wenn es darum ging, über Themen zu sprechen, von denen ich keine Ahnung habe.“

→ Im Jahr 1961 bei einer Rede zu britischen Industriellen

„Ich kriege nie mal Hausmannskost zu sehen – alles, was ich bekomme, ist Schnickschnack.“

→ Der Prinz über die royale Speisekarte

„Womit gurgeln Sie, mit Kieselsteinen?“

→ Bei einem Treffen mit Sänger Tom Jones (77) im Jahr 1969

"Ich will trotzdem ein Bier." 

→ Antwort auf die Empfehlung eines Diplomaten auf einem Bankett in Berlin im November 2004, deutschen Wein zu probieren.

„Das ist eine hübsche Krawatte ... Haben Sie auch Unterhosen aus diesem Material?“

→ Zu der ehemaligen Vorsitzenden der schottischen Tory-Partei, Annabel Goldie

„Sie hirnloser Blödmann!“

→ Zu einem Parkplatzwächter, der den wartenden Prinzen im Februar 1997 nicht erkannte

Wenn Sie noch viel länger hierbleiben, werden Sie mit Schlitzaugen nach Hause kommen.“

Prinz Philip 1986 zu einem britischen Austauschstudenten während eines China-Besuches

„Es ist schön, in einem Land zu sein, das nicht vom Volk regiert wird.“

→ 1963 in Paraguay bei einem Treffen mit Diktator Alfredo Stroessner († 93)

„Können Sie die auseinanderhalten?“

→ Zu US-Präsident Barack Obama im Jahr 2010, als dieser gerade erwähnte, er habe mit den Regierungschefs von Großbritannien, China und Russland gefrühstückt

„Ich habe mir angewöhnt, am Anfang immer etwas Schmeichelhaftes zu sagen, damit man es mir nachsieht, sollte ich aus irgendwelchen Gründen später ins Fettnäpfchen treten.“

→ Bei einer Festveranstaltung im Jahr 1956

"Verfassungsrechtlich gesehen existiere ich gar nicht!"
→ Bemerkung zu seiner Rolle im Königshaus.

 

BRITAIN-ROYALS-WEDDING-EUGENIE

Einige Anekdoten sind nicht gesichert überliefert. So wie diese hier aus dem Jahr 2011. Prinz Philip hatte angeblich einen Rollstuhlfahrer mit den Worten begrüßt: "Na, wieviel Leute haben Sie denn heute Morgen schon mit Ihrem Gefährt erlegt?"

1999: In Cardiff sagt er zu Kindern von dem Britischen Verband Tauber Menschen, die neben einer Karibischen Steelband stehen: "Wenn ihr in der Nähe dieser Musik steht, ist es kein Wunder, dass ihr taub seid."

1998: Einem britischen Studenten, der zu Fuß Papua-Neuguinea durchquert hatte, gratulierte er so: "Sie sind also nicht gegessen worden?"

Zu seiner Frau, der Queen, unmittelbar nach ihrer Krönung: "Wo hast du diesen schrecklichen Hut her?“

"Ich wünschte, er würde das Mikrofon ausschalten." Über Elton John, 73rd Royal Variety Show, 2001.

Zum nigerianischen Präsident, der in traditionellen Gewändern gekleidet ist: "Sie sehen aus, als wären sie fertig fürs Bett."

Als Philip einmal wegen einer veritablen Geschwindigkeitsübertretung von einem Verkehrspolizisten aufgehalten wurde, entschuldigte er sich beim vermeintlichen „Chief Inspector“. Dieser korrigierte ihn: „Ich bin nicht Chief Inspector, ich bin nur sein Stellvertreter. Ich kann nie Chief Inspector werden.“ Darauf Philip: „Das kenn ich.“  

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So wurde er bei einer seiner 637 Auslandsreisen einmal in Neuseeland gefragt, ob er ein Schaf scheren wolle.  „Ganz sicher nicht“, antwortete Philip: „Am Ende verletze ich das Tier, und Hammelfleisch hatten wir auf diesem Besuch weiß Gott schon genug.“

Bei einem Presseempfang auf Windsor Castle  fragte er 2002  einen der Anwesenden nach dessen Namen. „Ich bin Simon Kelner, Chefredakteur des Independent, Sir“, antwortete dieser. Philip entgegnete: „Was machen Sie hier?“ – „Sie haben mich eingeladen.“ Darauf Philip: „Sie hätten ja nicht zu kommen brauchen.“

"Davor müsstest du aber etwas abspecken." An den 13 Jahre alten Andrew Adams gerichtet, der ihm im Juli 2001 bei einem Besuch der Universität Salford erzählt hatte, er wolle Astronaut werden.

Philip trifft 1954 in Australien ein Ehepaar, das ihm als Mister und Doktor Robinson vorgestellt wird. Der Ehemann erklärt: "Meine Frau hat einen Doktor in Philosophie und ist viel wichtiger als ich." Philip dazu: "Ach ja, wir haben dieses Problem in unserer Familie auch."

1966 verkündete der Prinz: "Britische Frauen können nicht kochen! Ein Glück, wenn die eigene Frau dem Herd fernbleibt und man einen eigenen Koch im Schloss hat!“

Der Prinzgemahl reagiert auf Fremdgehgerüchte mal betont gleichgültig, mal mit genervtem Bestreiten. Gyles Brandreth, Autor einer Biografie über die königlichen Eheleute, zitiert ihn in diesem Zusammenhang zudem mit den Worten: "Wie könnte ich? Ich habe einen Polizisten um mich herum, Tag und Nacht, seit 1947." Zudem sei sein Gesicht überall bekannt.

Aber es muss weit mehr sein als nur ein Höchstmaß an Toleranz, das die Queen und ihren Mann seit mehr als 60 Jahren zusammenschweißt. Mit dem ihm eigenen Humor spricht Prinz Philip von sich selbst als "enteignetem Balkanprinz für Balkonszenen" und weiß natürlich genau, dass er weit mehr als schmückendes Beiwerk ist.