Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl

© Jeff Mangione

Paaradox
07/28/2019

Oh. Ja. Oh. Nein.

Kurze Antworten zu geben, ist das eine. Kurze Antworten richtig zu deuten, ist das andere. Denn Zustimmung und Ablehnung sind ein tückisches Paar.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

Ja heißt ja – oder doch nicht? Aus Sicht des Mannes nebenan gibt es viele Arten, „ja“ zu sagen – die meisten davon bedeuten aber etwas anderes als Zustimmung. Sondern: „vielleicht“, „mag nicht reden“, „später“ oder schlicht und einfach: „NEIN.“ Um zu verstehen, welches seiner „Jas“ was bedeutet, muss man ihn gut kennen und gut hinhören. Es gilt: Man hüte sich vor seinem Ja, es ist mehr Schein als Sein.

Das berüchtigte „M-hm“

Einige Decodierungsbeispiele: Da wäre das Ja-Synonym „M-hm“. Es signalisiert Pseudo-Zustimmung und ist Ausdruck mangelnden Interesses und Abwesenheit. Vermutlich ist ihm nicht einmal bewusst, worauf er mit „M-hm“ reagiert hat – Hauptsache, er kann im Sportkanal jeden noch so unbedeutenden Schlag des Drei-Tage-Golfturniers mit insgesamt 120 Spielern in sich aufsaugen. Experten vermuten, dass das „M-hm“ mit dem bekannten „Ich rufe dich an!“ (nach dem ersten Koitus) verwandt ist. Da wäre noch das „Ja-ha!“. Für Naive mag es fröhlich klingen, als Auskennerin weiß ich: Jetzt ist er gereizt. Übersetzt heißt „Ja-ha“: „Nerv’ mich nicht!“ Obacht auch beim „Jaaaa?“ als Reaktion auf mein „Michael!“. Hier regrediert er intuitiv zum urzeitlichen Mr. Maus, der Mrs. Säbelzahntiger (mich) beschwichtigen möchte. Das lang gezogene „Frage-Ja“ setzt er ein, um zu kalmieren. Es steht für ein trügerisch-demütig-strategisches „Ist schon gut, ich mache eh alles, was du willst“. Jetzt werden Sie vielleicht fragen, ob er manchmal „Ja“ sagt – und „Ja“ meint. Ja, ja, klar. Ein ehrliches „Ja“ folgt stets auf die Frage, ob er was essen mag und erklang vor 14 Jahren, als die Standesbeamtin fragte, ob er mich ehelichen möchte. Wenn ich mich nicht ganz täusche, war das echt.

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ER

Erst unlängst hatte ich einen Traum: In dem vernahm ich in später Verarbeitung meines Präsenzdienstes beim Bundesheer ein frühmorgendliches Alaaaaaaaarm!!! Ich hüpfte aus dem Bett, rein in die Uniform und trat ... nein, nicht auf den Kasernenhof, sondern auf unsere Terrasse. Dort stand ich mit  vielen anderen Rekruten und wartete auf die Befehlsausgabe von General Kuhn. Aber was geschah? Nach einem eindringlichen Haaaaabt acht! verkündete sie mit dem süßesten Lächeln, das sie im Repertoire hat (und glauben Sie mir, das ist sehr, sehr süß), wegen der enormen Hitze alle Männer ins Freibad abzukommandieren. Alle außer mich. Ich musste für einige Spezialaufträge im Alltagsdienst bleiben. Und so sprach sie laut, allerdings anhaltend mit diesem unwiderstehlichen Liebreiz:
Gefreiter Hufnagl, fertig machen zum Hängemattenaufbau! Und ich sagte nur: „Jawohl, Hängemattenaufbau!“ Sie wieder: Im Anschluss, zack, zack, zack, Gartendusche aus dem Keller holen. Und ich: „Jawohl, Gartendusche!“ Sie: Eisbox besorgen nicht vergessen, Lieblingssorten sind ja wohl bekannt. Ich: „Jawohl, Eisbox!“

Grauenhafte Vorstellung

Irgendwann wachte ich dankenswerterweise auf und sah die Liebste, wie sie mich anblinzelte. Wir wünschten einander einen guten Morgen, und sie sagte (mit diesem unwiderstehlichen Liebreiz): Magst nicht du heute mit dem Hund die Frührunde gehen? Und ich antwortete reflexartig: „Jawohl, Hund!“ Und sie: Häh, spinnst? Und ich: „Oh, Verzeihung, melde gehorsamst, hatte einen Traum über ein Leben, in dem es kein M-hm, kein Ja-ha, kein Jaaaa? mehr gibt!“ Das fand sie nach genauerer Betrachtung dann auch eine grauenhafte Vorstellung. Und mir fiel sofort das kuhn’sche Nein ein, das  immer konsequent als Nein erklingt und von einem feinfühligen Ehemann dennoch immer als Ja gedeutet werden sollte. Und zwar auf die Frage: „Brauchst du Hilfe?“ Weil sonst unausweichlich: Alaaaaaaaarm!!!

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Lesekabarett „Schatzi, geht’s noch?“: 30. 9., 26. 10. & 11. 11., Rabenhoftheater; 3. 10. Bettfedernfabrik, 11. 10., Burg Perchtoldsdorf