Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl

© Jeff Mangione

Paaradox
03/22/2019

Die Werkzeugkiste

Chaostheorie für sie und ihn: Ordnung muss sein, und zwar derzeit mehr denn je. Oder auch nicht.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

Zeit zum Aufräumen, Teil 2. Zu tun gibt’s immer noch mehr als genug. Finde ich. Findet er eh auch. Die Frage ist nur: Wie nehmen wir’s denn? Vor allem aber: Was genau nehmen wir? Ich für meinen Teil nehme den Mann nebenan erst einmal an der Hand und führe ihn in unseren Keller. Was er natürlich missversteht: Oho – was wird das jetzt? Fifty Shades of Kuhn? Aber hoffentlich mit Seidentuch! Tut leid, mein Schatz – ein anderes Mal. Vielleicht.

Dieses Trumm

Nein, heute spielen wir das unbeliebte Spiel „Herr Michael ordnet diesen Sauhaufen namens Werkzeugkasten“. Wie ich auf diesen Schwachsinn komme, will er wissen. Ganz einfach, weil ich vor zwei Wochen diese seltsame Begegnung hatte. Als ich ein Bild aufhängen wollte, einen Nagel suchte und sich dieses Trumm vor mir entfaltete. Erst dachte ich, ich hätte eine akute Sehstörung. Alles wirr, mir wurde schummrig. Also schloss ich kurz die Augen, doch die Sehstörung blieb und die Schummrigkeit wurde sogar noch stärker. Vor mir: Nägel in allen Größen, Schrauben in allen Längen, Dübel in allen Dicken verwurschtelt mit Drähten, Türstoppern und diversen Accessoires aus der Abteilung „Bastel-Hit“. Aus aktueller Sicht würde ich sagen: Andere hamstern Häuslpapier, er hamstert all das Zeugs nach dem Motto: Wer weiß, wozu man das vielleicht noch brauchen kann? Nur das Wichtigste findet man nicht: einen Hammer. Den Schraubenzieher. Die Zange. Die liegen nämlich in dieser Lade mit dem ausgeronnenen Superkleber, den Gummiringerln aus vier Zopf-Generationen und Zahnstochern, mit der sich vermutlich eine ganze Kompanie die Speckstückerln aus den Zahnzwischenräumen kletzeln könnte. Und was tut der Mann? Sich vom Keller-Schock erst ein wenig erholen, dann aus „Pu, der Bär“ zitieren: "Flüsse wissen, es gibt keine Eile. Wir werden eines Tages dort sein." O Herr, schicke mir bitte einen Boxsack!

ER

Es ist jene Zeit, in der so manche Sätze  öfter als sonst erklingen. Wie Ich muss Brot auftauen oder Schaltest du bitte die ZiB ein. Und auch jene Zeit, in der das Duuhuu? von gnä Kuhn Hochkonjunktur hat. Das für mich dieses spezielle Warum-kann-ich-jetzt-nicht-unsichtbar-werden-Duuhuu darstellt. Weshalb ich stets versuche, durch Schweigen zu bewirken, dass ihr das Ansinnen allenfalls nicht wichtig genug erscheinen könnte, um dem Duuhuu? ein Schatzi … hallo? folgen zu lassen. Aber das passiert nie. Wenn meine Frau in den Erledigungsmodus schaltet, wird mein Jaahaa? zum Naturgesetz. Diesmal aber formulierte sie ein Begehren, das für mich verblüffender war, als hätte sie zu weinen begonnen, weil die Fußball-EM auf 2021 verschoben wurde.

Orientierungssinne

Es war die Ordnung in der Werkzeugkiste, die ihr plötzlich zu denken gab.  Und wenn es einen Beweis für drohenden Lagerkoller geben kann, dann die Rüge, dass im Nägelschraubendübel-Durcheinander zu wenig Orientierung gegeben sei. Bis dato wusste ich gar nicht, dass sie wusste, dass wir überhaupt eine Werkzeugkiste besitzen. Da stand sie also im Keller und analysierte den Heimwerker-Bestand, als könnte sie damit ewige Immunisierung garantieren. Ich sagte nur eines: „Ja, es ist ein Chaos, aber es ist mein Chaos.“ Denn in 99 von 100 Reparaturfällen muss ich finden, was zu finden ist, und genau das tue ich. Ich erinnerte sie an jene Szene, als ich nach längerer vergeblicher Suche die vorsichtige Frage stellte: „Haben wir irgendwo Klarsichtfolien?“ Und die vor sich hin tippende Liebste ohne Umdrehen beinahe gelangweilt antwortete: „Linker Kasten, zweite Lade von unten, rechts.“ Wo ich nach kurzem Kramen im Papier-Wirrwarr tatsächlich Folien fand (obwohl ich dort zuvor eh nachgesehen hatte). Nach dieser Erzählung durfte die Werkzeugkiste bleiben, wie sie ist. Ein kleiner Triumph. Aber ich fürchte, das CD-Schlichten-Duuhuu folgt in Kürze.   
 

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