Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl

© Jeff Mangione

Paaradox
02/16/2020

Paaradox: Geschmacksver(w)irrungen

Es muss nicht immer Kaviar sein: Wenn kulinarische Erlebnisse zwei Menschen verbinden – oder eben nicht.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

Liebe geht durch den Magen, Selbstliebe auch. Das dachte ich mir unlängst, als ich wie eine Wölfin, die seit Monaten nichts mehr zu futtern bekommen hat, durch die Wohnung strich,. Dabei hatte ich gerade einmal eine Stunde zuvor mehrere Reiswaffeln verdrückt, mit Milchschoko-Überzug. Und eine halbe Stunde vor dieser Stunde ein großes Käsebrot (fragen Sie mich lieber nicht, was davor war). Doch da mich die Februar-Melancholie vollends im Griff hatte, war ich nur noch hungriger. Ich griff zu Dinkelpops, die ich in eine Schüssel tat und mit Milch zuschüttete.

Dinkelpops & Müslistrategie

Noch bevor sich Käsebrot, Reiswaffeln und Pops zu einer interessanten Mischung in meinem Verdauungstrakt zusammenrotteten, wurde ich nostalgisch. Als ich den ersten Löffel in die gatschige Mischung tauchte, fiel mir ein, dass ich exakt vor 22 Jahren dem Mann nebenan, der damals gerade zum Lover nebenan avancierte, per Mail mein Dinkelpops-Lustprinzip erklärte. Am nächsten Tag drückte ich meiner Büroliebe einen Sack mit dem Zeugs in die Hände. Er war verzückt, bedankte sich, küsste mich und mailte mir anderntags, das sei das Beste gewesen, was er seit Langem gegessen hatte. In diesem Moment war ich überzeugt, ich hätte ihn glücklich gemacht und sein Herz mit der so legendären wie raffinierten  Müsli-Strategie erobert. Was ich nicht wusste: Dass er mogelte und das aber als Großmeister des Einschleimens geschickt zu verbergen wusste.
22 Jahre später: Heute nimmt er sich kein Dinkelpop, äh Blatt, mehr vor den Mund. Würde ich ihn damit an einem Sonntagmorgen zu beglücken versuchen (statt Ei mit Speck und Speck und noch ein Ei), säße er Sekunden später   beim Wirten und würde sich bei einem sehr großen Bier und einem sehr großen Gulasch sehr große Sorgen um unsere Beziehung machen.
 

Unser Kabarett: 23. 2., 9. 5., Rabenhof; 27. 3. Mödling, 28. 3. Langenlois

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ER

Es gibt  sie, diese besonderen Augenblicke, die man nie vergisst. Und so erinnere ich mich daran, wie die Liebste im ausgehenden 20. Jahrhundert mit einem fast schüchternen Lächeln in der Kurier-Kantine zu mir sprach: „Wenn du nachher kurz in mein Büro kommst, habe ich etwas für dich.“ Womit sie sofort meinen auf Erlebniskultur getunten Gedankenmotor aktivierte. Was hat sie wohl für mich? Ein Eau de Toilette, das meine Männlichkeit  zu ihrem Ideal werden lässt? Eine Flasche Rotwein, als edles Symbol der Sinnlichkeit? Oder gar – auch 22 Jahre später mag ich es nur verschämt notieren – einen zarten Hauch von Gaby pur? Plötzlich lag neben dem damals üblichen Geruch von allzu oft verwendetem Speisefett auch Spannung  in der Luft. Daher spazierte ich nach dem Essen entschlossen in Richtung Kuhn-Büro, mit den stets freudigen Begleitern Adrenalin und Testosteron an meiner Seite.

Lässig und schlagfertig

Und da saß sie, wie erschaffen für die große Liebe.  Ich sagte in geradezu unwiderstehlicher Lässigkeit: „Hm, ich wäre jetzt da‚ wegen dem Etwas.“ Sie antwortete charmant: „Häh?“ Darauf ich draufgängerisch: „Wolltest du mir nicht irgendwas geben?“ Sie frohlockend: „Aaaahjaaaa!“ Dann kramte sie in ihrer Lade und hielt mir mit einer strahlenden Begeisterung, die für immer in meinem Gedächtnis verankert bleibt, einen Sack vor die Nase: In dem sich etwas befand, was ich (aus gutem Grund) noch nie zuvor gesehen hatte, nämlich Dinkelpops. Ein magischer Moment entflammender Leidenschaft. Und ich bin heute noch froh, dass ich a) mein eigenes Gesicht nicht sehen konnte, b) so schlagfertig geblieben bin  („Oh ... hm ... danke ... äh ... muss ich probieren“), und c) keine voreiligen Schlüsse gezogen habe – sonst hätten wir zueinander wohl viel gesagt, nur niemals „Ja“.
 

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 13. 3. Bad Fischau (Schloss), 17. 3. Wien (Café Schopenhauer) 

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