© Jeff Mangione

Kolumne
01/26/2020

Paaradox: Heiraten?

Die Frage, ob es diesen magischen Moment der Gewissheit gibt, taucht immer wieder auf ... und wird verlässlich von Erinnerungen begleitet.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

Vertrauliche Leserinnenpost: Gnä Kuhn, was tun: Heiraten oder nicht heiraten, das ist hier die Frage. So lautete, grob zusammengefasst, das Ansinnen einer 36-jährigen Wienerin. Sie wollte wissen, wann „dieser magische Moment“ sei, jener Augenblick, in dem klar wird: Ja, ich will! Wie fühlt sich das an, wann ist es so weit?, schrieb sich die Gute in einen Frage-Furor. Da musste ich passen, so einen „Aha-Moment“ gab es bei mir nie. Meine Entscheidung, den Mann nebenan irgendwann doch zu heiraten, war ein mehrjähriger Gärungsprozess mit offenem Ausgang. Wie Traubensaft, den man in eine Flasche tut, zustoppelt und sich selbst überlässt. Im besten Fall wird Wein daraus, über den Kenner sagen: Bist du deppert – schmeckt der großartig! Im schlimmsten Fall wär’s nix geworden. Doch da sind wir nun – gleich zwei solcher Flaschen, die fix zam sind.

Viele Puzzleteile

Und dennoch wollte ich der Frau in ihrem komplizierten Ja, nein, vielleicht-Dilemma zur Hand gehen. Ich begann nachzudenken – und plötzlich hatte ich es: Mein „Ja“ war das Ergebnis vieler kleiner Puzzleteile – Bewährungsproben, die wir gemeinsam durchgestanden haben. Nix Großes – wir waren nicht gemeinsam im Dschungel-Survivaltraining für Unentschlossene und haben einander nicht mit Käfern und Bananenblättern gefüttert. Wir sind auch nicht auf einen 8000er gehatscht, um zu prüfen, wie dünn die Luft unserer Liebe ist. Er ließ niemals Rosen regnen, ich war nur ein bisschen dramatisch, wir haben einander nicht den Himmel auf Erden versprochen. Nein, nein – viel einfacher! Also lautete meine Antwort an die potenziell Heiratswillige so: Bevor du jemanden heiratest, musst du mit dieser Person mindestens zwei Stunden im Stau gestanden haben. Nun schloss ich die Augen und erinnerte mich an diese Szene unserer Noch-nicht-Ehe. Ja, genau: Bleiben Sie dran!

Unser Kabarett: 27. 1., 23. 2., 9. 5., Rabenhof; 27. 3. Mödling, 28. 3. Langenlois

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ER

„Michael, weil ich gerade darüber schreibe …“ sprach gnä Kuhn. Und Sätze, die so beginnen, verheißen meist nichts Gutes. Sie erklingen nämlich in jener Melodie, die einen auf Wachsamkeit geschulten Ehemann für die Zwischentöne sensibilisiert. Aber es folgte dann überraschenderweise gar nix, was bei mir akuten Tücke-Alarm auslösen könnte. Stattdessen fragte sie mich, wann und warum ich einst zu wissen glaubte, dass eine Heirat das Gebot der Stunde sei. Warum mich die Liebste aus heiterem Himmel mit dieser Reminiszenz konfrontierte, wusste ich nicht, aber ich antwortete spontan: „Hm. Lass‘ mich noch schnell den Papiermist rausbringen, die Glühbirne auf dem Klo wechseln und den Hund füttern, dann denke ich gerne darüber nach.“

Die Gewissheit

Ich hätte meinen Gemütszustand aus dem vergangenen Jahrtausend zwar in der Sekunde abrufen können, aber da meine Frau ihre Bittejetztgleichsofort-Mimik aufsetzte, gönnte ich mir ein bisserl Wartezeit als erquickliches Alltagserlebnis. Und erinnerte mich. Der Gedanke, es mit ihr gefühlsmäßig ewig und drei Tage aushalten zu können, reifte damals flugs. Und ich finde, diese emotionale Gewissheit muss man nicht sezieren. Sie ist einfach völlig unerwartet da, wie eine Schar Glühwürmchen, die dein Herz als Tanzfläche entdecken.  Man sieht, hört, spürt, glaubt. An das schönere Leben. An das Wohlgefühl des gemeinsamen Aufwachens. An die Kraft der Sonne, auch wenn sie gerade nicht scheint.  So sehr, dass die Idee, ein Verlobungsdings zu inszenieren, gar nicht auftaucht, weil das vergeudete Zeit auf dem Weg zum Hochzeitskuss ist. Aber noch ehe ich meine Liebeserkenntnis mitteilen konnte, durchdrang es wieder die Stille ... dieses „Duuhuu?“ Gefolgt von meinem Ruf: „Jaahaa?!“ Und genau damit ist in Wahrheit alles gesagt.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 13. 3. Bad Fischau (Schloss), 17. 3. Wien (Café Schopenhauer)

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