© Jeff Mangione

Paaradox
10/26/2019

Paaradox: Im Herrenmode-Paradies

Wenn Mann, Frau und Tochter ausziehen, um Anziehendes für ihn zu kaufen, stellt sich für alle plötzlich die Frage: Himmel oder Hölle?

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

„Miserable Men“ heißt ein Instagram-Konto mit 346.000 Followern. Zu sehen sind da Fotos  von „unglücklichen Männern“ aus aller Welt, die ihre Frauen beim Shopping begleiten und verzweifelt herumsitzen. Eine „globale Epidemie“ sei das, so Matt Stroud, Betreiber des Kontos.  Was das mit dem Mann nebenan zu tun hat? Eh alles. Sein Satz Ich kuschel mich  in die Umkleidekabine da drüben rein  (weil es nirgendwo in dem Geschäft eine Sitzgelegenheit gab) ist legendär.

Was Neues für den Herrn?

Vergangenen Samstag war alles anders. Da brach er auf, um für sich eine Winterjacke zu kaufen. Doch weil es für ihn sehr schwierig ist, sich im Jackendschungel ohne weibliche Superkräfte zurechtzufinden, bat er die Tochter und mich um Assistenz. Stets zu Diensten, gerne, Sir Hufnagl. Bald darauf standen wir im Herrenmoden-Paradies. Wir Damen befanden allerdings  rasch, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, das eine oder andere Hemd aus der Ära Don Johnson am Tiefpunkt seiner Miami-Vice-Karriere (ein Gedanke aus unserem aktuellen Lesekabarett) gegen was Flotteres zu tauschen. Wir legten ihm außerdem Pullis ans Herz, die von der Hufnagl’schen Farbskala dunkelgrau-mittelgrau-hellgrau-schwarz etwas abwichen. Das Unternehmen „Jacke“ wiederum war zügig erledigt, nachdem wir ihm klargemacht hatten, dass er in seiner ersten Wahl, Marke elegantes Tuch, speibbraunes Karo, aussah wie Sektionschef Lafite aus der „Lieben Familie“, anno 1980. Widerstandslos ließ er sich was Schickeres aufschwatzen. Wie das mit den Hemden und Pullis ausging? Das erfahren Sie nächste Woche. Vermutlich lautete sein Tagebucheintrag an jenem Einkaufssamstag aber so: Ein Mann kann anziehen, was er will – er bleibt doch nur ein Accessoire der Frau.  

Lesekabarett „Schatzi, geht’s noch?“: 26. 10. & 11. 11. im Rabenhof; 14. 11. Himberg, 23. 11. Neusiedl, 30. 11. Klosterneuburg, 7. 12. Vöcklabruck.

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ER

Ob Hose, Hemd oder Jacke, ich muss für jeden Einkauf einen wochenlangen Anlauf nehmen. Mir ist das Suchen, Probieren und Entscheiden inmitten anderer Suchender, Probierender und Entscheidenden verhasst. Für mich befindet sich das Wort „Bummel“ im Zusammenhang mit Kleidung in einer Reihe mit Letscho, Jahreshoroskop oder Wurzelspitzenresektion. Und es ist mir eines der größten Rätsel der Evolution, wie sich Menschen nur eine Minute länger als notwendig mit Garderobegustation aufhalten wollen.

Unbarmherzig

Als ich die letzte Winterjacke kaufte, dauerte das genau fünf Minuten. Ich sah, schlüpfte hinein und nickte erlöst. Den Satz der Verkäuferin Darf ich Ihnen noch zwei, drei andere Jacken bringen? verneinte ich mit der Vehemenz eines Pitbulls, der sich erfolgreich verbissen hatte. Als ich das Modell daheim vorführte, sagte meine Frau: Eh o. k. Was so viel heißt wie: Dir muss sie ja gefallen, und ich will keine Diskussion. Meine Tochter trug hingegen weniger Barmherzigkeit auf der Zunge, sie urteilte: Schiach! Und fügte hinzu: Nächstes Mal schick’ mir bitte ein Foto, bevor du zuschlägst. Daher bat ich meine zwei Herzdamen beim jüngsten Jackenkauf um Begleitung. Was zur Folge hatte, dass sich gnä Kuhn nach kurzem Umschauen flugs in die Damenabteilung verabschiedete (Vielleicht finde ich ja auch gleich etwas für mich), während das gute Kind mir eine Jacke nach der anderen reichte. Irgendwann kehrte auch die Liebste zurück und sprach den tückischsten Satz des Einkaufslebens: Wenn wir schon einmal da sind … Also ließ ich mich Mantras murmelnd noch zu Pullovern und Hemden überreden, weil mir der Seelenfrieden meiner Familie heilig ist. Aber ich weiß: Bei meinem nächsten Ausflug 2023 ziehe ich wieder alleine los. 

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 20. 11. Wien (Haus des Meeres), 9. 12. Wien (Studio Akzent)

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