© Jeff Mangione

Paaradox
12/22/2019

Paaradox: Lass' uns reden!

Als gesprächige und wissenshungrige Wesen gleiten wir auf sehr unterschiedliche Art über das gesellschaftliche Parkett.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

„Ein dankbares Wort gibt Wärme für drei Winter“, heißt’s in einer Volksweisheit. Weil ich es gern warm habe, sage ich ihm da drüben zum Fest der Liebe wieder einmal: Danke. Danke, dass es dich gibt. Dabei bin ich vor allem dankbar, was ich vom Mann nebenan alles lernen durfte. Vermutlich würde ich ohne ihn stammelnd durchs Leben stolpern. Aber so bin ich an Eleganz und Eloquenz kaum zu überbieten. Danke.

Falsche Neun

Dank ihm weiß ich also, dass Lionel Messi mehr Freistoßtore erzielt hat als jede europäische Mannschaft. Oder was eine „falsche Neun“ ist (falls Sie es nicht wissen, schreiben Sie mir, ich helfe gerne). Ihm zu verdanken habe ich auch so manchen Eisbrecher-Satz für Party-Smalltalk, wie etwa: Wussten Sie, dass man sich die dritte Potenz von 71 leicht merken kann? Da stehe ich dann, umringt von Bewunderern und doziere: Man braucht nur die ungeraden Zahlen von 3 bis 11 nebeneinander zu schreiben 71³ = 357911. So einfach ist das. Dass ich Mathe-Vollnull gar nicht verstehe, was ich da sage, sondern das vom Mann nebenan Gesagte nur nachbete, hat noch nie jemand bemerkt. Alles von ihm. Wie das kommt? Nun, der Gute hat zwar ein Problem, die Bedienungsanleitung des neuen Heizkörpers im Bad zu behirnen, sammelt aber dafür kurioses Wissen wie andere Briefmarken oder ich Teelichtbehälter. Seit gestern weiß ich daher, womit ich bei der kommenden Silvesterparty punkten werde, nämlich mit der spannenden Frage: Wusstet Ihr, dass es einen Ort namens Faulebutter gibt? Das hat mir der Liebste gestern murmelnd vor dem Einschlafen verraten und er sah sehr glücklich dabei aus. Ja, das Leben mit ihm ist nie langweilig, sondern ein prickelndes Überraschungsfest. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten – lassen Sie sich überraschen.

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Unser Lesekabarett „Schatzi, geht’s noch?“: 10., 27. 1., 23. 2. ,9. 5., Rabenhof; 10.3. Neue Mittelschule Aderklaa; 27. 3. Mödling; 28. 3. Langenlois

ER

Die Wahrheit ist: Gnä Kuhn hat eine  ausgewiesene Small-Talk-Schwäche. Eine Bemerkung wie Wusstet ihr, dass es weltweit nur zwei Binnenländer gibt, die ausschließlich von anderen Binnenländern umgeben sind würde ihr in einer Gesellschaft nie über die Lippen kommen. Sie will partout nicht einsehen, dass so manche lässig in die Runde geworfene Information mehr Staunen hervorrufen kann als die größte Kochkunst. Wie z. B.: Zwei englische Forscher errechneten im Jahr 2015, dass es 136 Milliarden DIN-A4-Blätter bräuchte, um das gesamte Internet auszudrucken. Und wehe, ich unternehme neben ihr den Versuch, durch derlei effektvolle Botschaften zu glänzen, dann ernte ich diesen berüchtigten Blitz-Blick samt „Geh’ Michi, bitte!“

Gedankenanstoß

Nein. Die Liebste will stets zu den Tiefen des Seins vordringen. Fern oberflächlichen Geplauders. Einerlei, ob sie ihre Gesprächspartner bereits seit vielen Jahren kennt, oder erst seit wenigen Minuten. Sie nimmt die Frage Darf’s noch ein Gemischter Satz sein? auf jeden Fall wörtlich. Um den Sinn des Lebens  immer wieder neu zu definieren und die Essenz von Abraham Maslows Bedürfnispyramide  „nur so als Gedankenanstoß“ zu erläutern. Meinen Einwand, dass zu später Stunde eine Diskussion über den Widerspruch von Aristoteles zum transzendenten Ideenbereichs Platons eventuell nicht der Party-Kracher ist, wischt sie augenrollend vom Tisch und sagt: „Aha ... sondern, Herr Oberg’scheit?“ Also, dass Marcel Titsch von Eintracht Frankfurt einst schon 43 Sekunden nach dem Anpfiff die Rote Karte bekam, hätte ich angemessener gefunden. Aber ich zog es vor, zu schweigen.  Weil ich nämlich die Bedürfnispyramide meiner Frau verdammt gut kenne. Möge auch Sie diese Intuition begleiten ... für ein wunderschönes Weihnachtsfest! 

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Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 12. 1. Wien (Matinée im CasaNova), 23. 1. Wien (Prateralm)