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Paaradox
10/13/2019

Paaradox: Schirm, Charme & Haferbrei

Empört Euch! Über seine Nasch-Hinterlassenschaften und jene vielen kleinen Dinge, die sie „unbedingt braucht“ – er aber nicht. Quasi eine Ode an das Luxusproblem.

SIE

Es klingt nicht nur kompliziert, es ist  kompliziert – fragen Sie  mich. Der Reihe nach: Forscher flüstern uns, dass das körpereigene Hormon „Phenylethylamin“ beeinflusst, ob wir uns verlieben. Die Substanz ist, in kleinen Mengen, auch in Schokolade enthalten und verantwortlich für die berühmten „Schmetterlinge im Bauch.“ Nun ja, nach fast 22 Beziehungsjahren haben sich diese Schmetterlinge bei uns daheim längst in Schokoschirmchen verwandelt, die der Mann nebenan auch außerhalb der Weihnachtszeit liebevoll aus der Folie schält und daran so lange herumnuckelt, bis nur mehr das gebogene Plastikstangerl übrig bleibt. Und weil’s halt so romantisch ist, liegen die Dinger auch noch am nächsten Morgen herum: Unzählige abgelutschte Plastikstangerl als Symbol seiner Bauchgefühle. Ich bin dann auch immer sehr gerührt, dass ich es bin, die all das in den Mist befördern darf. Danke, Michael, danke!

Gummi-Schirmchen-Turm

Manchmal wundere ich mich, wie viele Schokoschirmchen in so einen Männerbauch passen, zumal der Herr engagierter Zwischendurchesser ist, heißt: Zwischen jeden Schokoschirm wird ein Sportgummi eingeschoben – da wächst er, der Gummi-Schirmchen-Turm in seinem Magen, während er fernsieht. Wenn ich ihm dann drei rote Gummis stehle, murrt er: Finger weg, das sind meine Lieblings…! Mitunter kommt es vor, dass der Turmbau  ausufert. Dann wacht er nachts auf, weckt mich sanft stöhnend und fragt: Schatzi, bitte wo ist der Thermophor? Mir ist gar nicht gut. In solchen Momenten wird klar: Liebe ist nicht… Schmetterlinge im Bauch zu fühlen, sondern  aufzustehen, dem Mann nebenan ein Wärmeflasche zu reichen und ihm, ein bisserl süffisant, zuzuflüstern: Wennst noch einmal heiratest, ist alles wieder gut.

Lesekabarett „Schatzi, geht’s noch?“: 26. 10. & 11. 11. im Rabenhof;  18. 10. Großrussbach; 14. 11. Volkshaus Himberg; 23. 11. Weinwerk Neusiedl

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ER

Schokoschirmchen sind eine Art Lebenselixier. So sehr, dass ich mitunter darüber diskutiere, wie so ein Ding zu essen ist – weglutschen oder abbeißen? Derlei Grundsatzfragen stellen sich übrigens bei vielen Naschereien, wie etwa in Anbetracht der Varianten, einen Prinzenrolle-Keks zu genießen. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich wohl einmal ein Buch schreiben werde. Wie über die zahllosen Facetten ehelicher Psychologie, mit dem Versuch, Aufklärung zu schaffen über die Symbolik zurückgelassener Gegenstände.


Mahnmale

Spannend ist, dass sich ausgerechnet meine Frau über einen solchen Fund als Kolumnistin hermacht. Das ist so, als würde ein Nachtclub-Besitzer über laute Musik den Kopf schütteln. Als gäbe es sie nicht in unserem Domizil ... die glorreichen Fünf der herumkugelnden Mahnmale.
1. Das Taschentuch. Immer und überall anzutreffen, mit Vorliebe benützt. Was es mir genau zubrüllen will, weiß ich nicht (außer: Räum’ mich weg!). 2. Die Müsli-Schüssel. Ohne sie begibt sich die Liebste des Morgens nie zum Computer, weil Recherche und Haferbrei offenbar nicht ohne einander auskommen. Raten Sie einmal, was sich in meinem Blickfeld befindet, während ich diesen Text schreibe? 3. Herausgerissene Rezeptseiten. Sind auf Kommoden und Tischen zu finden, nach einer Lüftung gerne auch darunter. 4.  Das Abschminktuch. Liegt sinnbildlich für die Spuren des Lebens am Waschbeckenrand und hat noch immer nicht gelernt, von alleine ins Mistküberl zu hüpfen. 5. Das Wissenschaftsmagazin. Gnä Kuhn  erhält demnächst die goldene Supernova-Nadel, weil sie seit 25 Jahren treue Abonnentin ist. Zu diesem Anlass schließe ich nicht aus, dass sie das Heft auch erstmals liest. Und vielleicht gönnt sie sich dazu sogar ein Schokoschirmchen
 

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 12. 11. Wien (Martinschlössl), 20. 11. Wien (Haus des Meeres), 9. 12. Wien (Studio Akzent)

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