© Jeff Mangione

Paaradox
01/19/2020

Paaradox: Spürsinne

Es gibt immer etwas, das gesucht wird. Und immer etwas, das (nicht) gefunden wird. Und immer etwas, wie man einander in die Irre führt

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

„Der Schlüssel zu einer guten Beziehung liegt in der Beständigkeit“, las ich unlängst in einem Ratgeber und dachte mir: Na dann, alles bestens im Hause Hufnagl/Kuhn. Ja, auf den Mann nebenan ist Verlass. So sehr, dass ich oft schon weiß, was passiert, bevor er handelt. Dass er beispielsweise – und da zähle ich im Geiste mit, 21, 21, 21, – gleich sagen wird Gabriele, wo ist meine Haube, ich kann sie nirgendwo finden, obwohl die Haube exakt vor seiner Nase liegt, aber blöderweise hinter seinen Handschuhen. Womit dieses Phänomen, eine Art konditionierte Betriebsblindheit nämlich, genau zusammenhängt, ist mir ein Rätsel.

Die Welt ist in Ordnung

Das macht aber nichts, weil ich weiß: So lange Herzkönig das tut, ist unsere Welt auf spezielle Weise in Ordnung. Etwas, worauf ich mich immer verlassen kann, ein Farce-Fels in der Liebesbrandung. Würde er nämlich plötzlich alles finden, wonach er im Laufe der Zeit so sucht, wäre mein Leben seltsam leer, beinahe sinnlos. Ich hätte nichts mehr, worüber ich den Kopf schütteln kann. Ich hätte auch nichts mehr zum Schimpfen – und nichts zum Lachen. Vor allem aber wäre ich nicht mehr sein siebenter Sinn, seine unverzichtbare Suchmaschine – ich wäre womöglich überflüssig. Eine furchtbare Vorstellung. Da verstecke  ich – man verzeihe mir – lieber hie und da seine Sachen, bevor ich aus meiner Such-Funktion für immer entlassen werde und er eines Tages findet, er müsse sich was Neues suchen. Da halte ich es aus tiefer Überzeugung mit Trude Hesterberg: „Auch die schwächste Frau ist noch stark genug, um mehrere Männer auf den Arm zu nehmen.“ Apropos, ich muss jetzt aufhören – um nachzudenken, wo genau ich seine Tennisschuhe verstecken werde. Auf dass er auch morgen noch kraftvoll in den sauren Apfel beißen muss – und sagen: Hilf mir bitte, Schatz!

Unser Kabarett: 27.  1., 23.  2., 9.  5., Rabenhof; 27.  3. Mödling, 28.  3. Langenlois

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Er

Seine wichtigsten Habseligkeiten nicht augenblicklich griffbereit zu haben, kann einen leicht in den Wahnsinn treiben. Daher habe ich mir längst angewöhnt, Dinge wie Geldbörse, Schlüssel oder Handy hoch konzentriert stets an denselben (maximal zwei) Plätzen abzulegen. Was mich übrigens von gnä Kuhn dramatisch unterscheidet. Die nämlich lässt z. B. ihre Lesebrille im Zuge seltsamer Übersprungshandlungen mit Vorliebe im Bücherregal, neben der Waschmaschine oder auf der Brotdose liegen. Was schon für viele lustige gemeinsame Suchaktionen sorgte, im Zuge derer ich überlegt habe, auf der Polizeiwachstube unseres Vertrauens anzurufen, ob allenfalls ein Fahndungsteam Kapazitäten hätte.

Blindschleiche

Was ich hingegen nie finde, sind Gegenstände, die meine Frau „ja so halt“ von jenem Platz, wo sie immer liegen, ohne entsprechendes Bulletin (an mich) übersiedelt hat. Ich habe mir allerdings angewöhnt, die Frage nach einem möglichen Aufenthaltsort des Verlängerungskabels, solange es geht, nicht zu stellen. Lieber streune ich ächzend durch die Wohnung, als mir zu überlegen, welche ihrer Antwortvarianten von Geh bitte über Musst nur die Augen aufmachen bis Jössas, wenn dir nicht alles entgegenfliegt mich narrischer macht. Ich vermute jedoch, dass es ihr Freude bereitet, zu beobachten, wie ich als Spürhund getarnte Blindschleiche durchs Domizil irre. Weil das am Ende eines garantiert: Ihr Einschreiten mit dem Blick der Allwissenden. „Das Kabel liegt ab jetzt im Vorzimmerregal ganz unten“, sagt sie. Und ich: „Warum?“ Und sie: „Hm, passt irgendwie besser dort.“ Und ich: „Warum?“ Und sie: „Wasweißich.“ Fein, wenn sich eine Situation so logisch auflöst. Und ich wieder einmal erkenne: Die Frage „Wo würde ich es denn hinlegen?“ wird mich fix nie ans Ziel führen.

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 23. 1. Wien (Prateralm), 13. 3. Bad Fischau (Schloss)

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