Auf Punkt und Komma: Speaker of the House John Bercow

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Schlag-Zeilen
04/01/2019

Beistrich geändert: Vierte Abstimmung über Brexit-Deal möglich

Der EU-Austrittsvertrag wurde zwar nicht mehr komplett aufgeschnürt, Theresa May ist dennoch ein wahres Schurkenstück gelungen.

"Ooooorder", rief Speaker John Bercow im britischen Unterhaus. Eine vierte Abstimmung über Theresa Mays Brexit-Deal sei nun wirklich nicht mehr möglich, wenn nicht substanziell etwas an dem EU-Austrittsvertrag geändert werde.

Der charismatische Parlamentspräsident verwies einmal mehr auf eine Regel aus dem frühen 17. Jahrhundert, wonach dieselbe Vorlage nicht beliebig oft zur Abstimmung gebracht werden darf. Bercow: "Hier wurde kein Beistrich geändert, also kann man darüber sicher nicht noch einmal abstimmen. Punkt."

"Komma, Komma …", sinnierte die wendige Premierministerin May nach der Parlamentssitzung. "Komma da nicht was machen?" sagte sie kurz darauf am Telefon zu EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

"Mais Madame May, wir haben uns doch darauf verständigt, dass kein Beistrich mehr geändert wird", antwortete Juncker laut gut informierten Brüsseler Kreisen.

"Aber es wäre doch nur ein klitzekleines Strichelchen", insistierte May, "und dann seid ihr uns wirklich ENDGÜLTIG los, versprochen!"

Einen eilends einberufenen, nächtlichen EU-Gipfel später bekam May von den EU-27 tatsächlich die Blanko-Erlaubnis, einen winzigen Beistrich zu ändern.

Warum man denn gar nicht wissen möchte, welchen Beistrich die Briten ändern wollen, wurde Bundeskanzler Sebastian Kurz gefragt. "Wissen Sie", sagte er, "wenn wir in Österreich jede Regierungsvorlage begutachten lassen würden, dann wäre das alter Stil."

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte anschließend zu dem plötzlichen Zugeständnis: "Jetzt haben wir mehr als dreißig Jahre den Britenrabatt schlucken müssen, da wird so ein kleines Kommachen am Ende sicher verkraftbar sein, denk' ich mal."

Einmarsch in Westminster

Gleich heute marschierte May mit einem gepfiffenen "Always Look On The Bright Side Of Life" auf den Lippen in Westminster ein, und präsentierte dem Parlamentspräsidenten im voll besetzten Unterhaus den geänderten Beistrich.

"Mr. Speaker, zuvor hieß es: Deutschland gebühren 999 Milliarden an Entschädigungszahlungen,  nicht aber dem Vereinigten Königreich.

Jetzt heißt es: "Deutschland gebühren 999 Milliarden an Entschädigungszahlungen nicht,  aber dem Vereinigten Königreich."

Bercow: "Wow, das nenne ich eine substanzielle Änderung! Wir können umgehend abstimmen. Division! Cleaaaar the Lobby!"

 

 

Pammesbergers Brexit-Karikaturen:

"London has been calling" (24.6.2016)

"Böses Erwachen" (25.6.2016)

"Vom Brexit zum Exit" (29.6.2016)

"Brexit means Brexit!" (18.9.2016)

"Ausstieg" (11.12.2018)

"Auf alle Fälle: Silly Walks" (19.10.2018)

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"The Plan versus The Reality" (18.1.2019)

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