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Schlag-Zeilen
04/16/2019

Mitterlehner-Buch: Kurz kritisiert "höchst mittelmäßige Satire"

Die Abrechnung des früheren ÖVP-Chefs mit Türkis erhitzt die Gemüter. "KURIER mit Schlag" war bei der Abrechnung mit der Abrechnung live vor Ort.

von Peter Temel

Das Buch steht noch nicht einmal in den Regalen, da sorgt die Abrechnung des Ex-ÖVP-Chefs Reinhold Mitterlehner mit der türkisen ÖVP bereits für Rumoren. Bundeskanzler Sebastian Kurz griff zur ungewöhnlichen Methode einer Satire-Kritik, die er in einer eilig einberufenen Pressekonferenz zum Besten gab.

Darin geißelt er Mitterlehners Buch "Haltung" als "höchst mittelmäßige Satire eines nicht zu Kurz gekommenen. Das können wir weit besser."

V-Stil und Telemark

Punkt für Punkt zerlegt Kurz das, was vorab an die Öffentlichkeit gedrungen ist. KURIER mit Schlag hat eifrig mitgeschrieben.

"Schon der Titel 'Haltung' zeigt die jämmerliche Richtung, in die es hier geht", sagt Kurz. "Haltungsnoten gibt es beim Skispringen. Die neue Volkspartei möchte aber Skifliegen – da zählt Weite, nicht Haltung, das ist der neue V-Stil. Mitterlehner hatte den schöneren Telemark, geschenkt, aber hat es die Partei weitergebracht?"

Nazi-Keule

Ex-Vizekanzler Mitterlehner schreibt in seinem Buch, in der Politik gehe es "fast nie um den Wettbewerb der besseren Konzepte", sondern "um Machtergreifung und Machtdurchsetzung".

"Machtergreifung! Man sieht sofort an der Wortwahl, dass hier einfach plump die Nazi-Keule ausgepackt wird. War hier etwa Böhmermann der Gagschreiber?", fragt sich Kurz.

"Wobei Böhmermann im Unterschied zu Mitterlehner noch wirklich schöne, harmlose Satire liefert“, sagt der ÖVP-Chef. "'Schweigender Fascho-Helfer mit den großen Ohren' - über diesen Böhmermann-Witz musste ich herzlich lachen. Das bringt uns wieder ein, zwei Prozent in den Umfragen. Danke für dieses 'Ergebnismarketing', wie Mitterlehner schreiben würde.“

Spätaufsteher

"Regelrecht lachhaft" findet der Kanzler die Kritik Mitterlehners, dass man als "Reibungsflächen" neben den "aufrechten" Österreichern "die anderen“ heranziehe: "Nämlich die Migranten, die Arbeitsunwilligen, die Caritas, die 'Spätaufsteher'", die laut Mitterlehner "kritisiert und stigmatisiert" würden.

"Das Hauen der Caritas haben wir doch der FPÖ überlassen", kommentiert Kurz. "Und Langschläfer werde man wohl noch stigmatisieren dürfen. Meine Mama hat mich in der Schulzeit auch stigmatisiert: 'Heraus aus den Federn, Frühstück ist fertig!', hat sie immer gesagt."

Der ebenfalls anwesende Medienminister Gernot Blümel lobt diesen Satz als "wirklich gelungene Satire, selten so gelacht."

Er pflichtet Kurz in allem bei. Allein schon, dass der Ex-ÖVP-Chef "zu so einer abgegriffenen Metapher wie 'Message Control' greift", zeige den "alten Stil, der in Mitterlehners Machwerk zu Tage tritt."

"Kein Piep!‘"

"Eine Beschäftigung mit 'Satire Control', das wäre nun wirklich aktuell und interessant gewesen", sagt Blümel. "Und die liefere ich Ihnen nun." Blümel macht in diesem Zusammenhang den Scherz, "dass der ORF bei einem Buch ganz sicher kein 'Piep!' drüberlegen kann". Da müsse man "wohl noch auf das Hörbuch warten!"

"Am Rande" merkte Blümel noch an: Die Affäre um das Altvizekanzler-Buch zeige, wie wichtig es sei, "dass linke Kampfposter wie Mitterlehner und Christian Konrad, die unter Decknamen wie DjangoUnchained17 und GeneralRikerForRefugees in den Foren herumtrollen, in Zukunft ihre Ausweise vorlegen müssen.“