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Schlag-Zeilen
09/09/2019

Nächster Skandal: Kurz-Biografie von Hackern manipuliert

Der Wahlkampf kommt nicht zur Ruhe. Geheimnisvolles Hacker-Kollektiv bekennt sich zu seltsam schwelgerischen Texten.

von Peter Temel, Christine Karner

"Dann stiegen wir gemeinsam über die geschwungenen barocken kalksandsteinernen Treppen in den ersten Stock hinauf."

Seit erste Passagen aus "Sebastian Kurz - Die offizielle Biografie" veröffentlicht wurden, hat das Amüsement im Netz republikerschütternde Ausmaße angenommen.

Dass schon der kleine Sebastian als "Baby, das auf der Überholspur fuhr" beschrieben wird, weil er mit einem Jahr bereits erste komplette Sätze sprach, erinnert viele mehr an eine Heiligenlegende als an eine kritische Politiker-Bio.

Die atmosphärischen Beschreibungen werden mit schwülstigen Groschenromanen verglichen. Ganz Österreich innerhalb des Wiener Gürtels spricht von "50 Shades of Kurz".

"Zunächst erblickte ich nur eine Silhouette. ‚Ist er es wirklich?‘, dachte ich mir. Ich sah lediglich einen Teil eines Kopfes, doch der kam mir bekannt vor. Diese dunkelbraunen Haare, die streng nach hinten gekämmt waren, und die kleine, spitze Nase, die aus seinem Gesicht hervorlachte. Der Mann, der hier lässig an der Türe lehnte, war fast einen Meter neunzig groß und von merklich dünner Statur."

Angezapft

Nun scheint sich aber alles aufzuklären. Das geheimnisvolle Hacker-Kollektiv "Ironymous" bekennt sich zu den schwelgerischen Texten in der Bio. Man habe den Server der Druckerei angezapft und von den Kurz-Geschichten bis zum Buch-Cover alles manipuliert. "Wir glauben an die Macht der Satire," heißt es im Bekennerschreiben.

Bei der Druckerei schlug das Warnsystem an, zur Sicherheit habe man dann die ÖVP kontaktiert und nochmals um Autorisierung gebeten, heißt es.

"Dort wurde kein Wort beanstandet", sagt der Verlag. In der Lichtenfelsgasse habe man nur gesagt: "Wir als Volkspartei hätten das nicht anders geschrieben."