© Franz Gruber (2), Gerhard Deutsch, APA/Herbert P. Oczeret, KURIER-Montage

Schlag-Zeilen
10/25/2019

Nationalfeiertag: Bundesheer rüttelt mit radikaler Kunstperformance auf

Die abgespeckte Leistungsschau des Heeres legt den Finger auf so manche finanzielle Wunde. Ein Bericht der KmS-Kulturredaktion.

von Peter Temel, Christine Karner

Schweres KriegsgerätHubschrauber, Fallschirmspringer, Kinder an Panzerabwehrrohren - das ist das übliche Bild bei der Leistungsschau des Bundesheeres am Nationalfeiertag.

Dieses Jahr ist am Wiener Heldenplatz die Welt nicht in Ordnung.

Verteidigungsminister Thomas Starlinger, der die Schau zunächst überhaupt absagen wollte, hat eine reduzierte, aber umso effektvollere Kunstperformance auf die Beine gestellt, um die verheerende finanzielle Lage des Heeres drastisch vor Augen zu führen. "Dynamische Vorführungen" waren angekündigt, und so sahen sie aus:

  • Die traditionelle Gulaschkanone wurde von Soldaten einfach in der Mitte entzwei geschnitten, um das geringere Budget für die Schau zu symbolisieren. Weinende Familienväter mussten mitansehen, wie sich die feurige Gulaschsuppe über den Heldenplatz ergoss.
     
  • "Haflinger sind genügsame Kleinpferde mit hoher Leistungsbereitschaft" heißt es auf der Heeres-Homepage. Genügsamkeit ist das Stichwort, das Starlinger auf die Idee brachte, nur einen Haflinger auf dem Heldenplatz seine Runden drehen zu lassen. "Üblicherweise dürfen am Nationalfeiertag Kinder aufsitzen. Das haben wir dieses Jahr bewusst untersagt", sagte der Minister. Die Tiere müssen ihre Kräfte sparen, um in Zukunft die Mannschaftstransporte in ganz Österreich durchzuführen.
     
  • Die arg gebeutelte Militärmusik ist ein finanzielles Dauerthema. Als sinnfälliger Ausdruck der dramatischen Lage wurde nur ein einzelner Tubist aufgeboten, der in Dauerschleife die Basslinien von "O du mein Österreich" und "Adieu, mein kleiner Gardeoffizier" spielte. 
  • Das sonst so beliebte Flugsimulator-Zelt war diesmal Schauplatz einer erschreckenden Botschaft. "Sie sehen hier die traurige Zukunft unserer Luftraumüberwachung", dröhnte es dort mit heiserer Doskozil-Stimme aus den Lautsprecherboxen, "denn diese wird in Zukunft nur noch simuliert werden können."
  • Tiefpunkt der Schau war die Präsentation der Pioniere. Dafür wurde eigens die nach den Sommerunwettern errichtete Behelfsbrücke am Pass Gschütt ab- und in Wien wieder aufgebaut. Eindringlich dann die per Video live übertragenen Reaktionen aus Salzburg: Aufgebrachte Autofahrer standen vor dem Rußbach und verfluchten das Bundesheer.

"Diese Bilder sind nicht schön", kommentierte Minister Starlinger, "aber manchmal muss man die Öffentlichkeit aufrütteln, wenn es anders nicht mehr geht. Ich kann euch nur um eines bitten: Glaubt an dieses Bundesheer!"

Die Darbietungen konnten nur über Anzapfen der Kunstförderung ermöglicht werden. Darüber hinaus wurde ein Spendenzelt eingerichtet.