So sieht der Canaletto-Blick in Zukunft aus. Grafik: Aufmucker

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Schlag-Zeilen
04/01/2019

Neues Gutachten: Dritte Piste gefährdet Weltkulturerbe

Fluglärmgegner geben auch nach VwGH-Urteil nicht auf. Flughafen-Bosse haben schon Lösungen parat. Hofer will vierte Piste.

von Peter Temel

Anton Aufmucker aus Zwölfaxing will es jetzt endgültig wissen. Seit dreißig Jahren widmet er seine Tagesfreizeit dem Kampf gegen den so gar nicht beflügelnden Fluglärm. Seit zwanzig Jahren stemmt er sich gegen eine dritte Piste am Flughafen Wien-Schwechat. Und jetzt das: Ein letztinstanzliches Urteil des Verwaltungsgerichtshofes scheint sein Lebenswerk mit einem Schlag zunichte zu machen.

Dabei hatten die Fluglärmgegner anfangs sogar einen Rückbau von Piste 1 und 2 gefordert. Freilich erst, nachdem Aufmucker 1989 einen Jubelpreis für sein Speckgürtelhäuschen mit Gartenzwerg und Pool bezahlt hatte.

Auch der Hinweis, dass beim Abtragen der Landebahnen mit fünf Jahren Rückbaulärm zu rechnen wäre, schreckte Aufmucker nie. "Was kümmern mich Presslufthämmer? Es gibt nichts Schlimmeres als Fluglärm", sagte der Überzeugungsraunzer.

Letzter Trumpf

Nun soll aber sogar eine dritte Piste kommen. Höchste Zeit für Aufmucker, eine letzte Trumpfkarte auszuspielen. Aber welche?

Er musste in seinem fluglärmverseuchten Garten viele kleinformatige Zeitungsausgaben lesen, bis ihn die Wiener Welterbe-Diskussion und der kürzlich verkündete Stopp des Heumarktprojekts auf die rettende Idee brachten: "Die dritte Piste gefährdet das Weltkulturerbe Wiens!"

Aber wie soll das zusammengehen? Geschützt ist das historische Wiener Stadtzentrum, aber der Flughafen liegt doch weit außerhalb davon.

"Jedes Kind weiß, dass das Unesco-Weltkulturerbe Wiens auf dem berühmten Canaletto-Blick beruht", sagt Aufmucker. "Internationale Aviatiker aus Fischamend sind überzeugt, dass durch die dritte Piste die neue Anflugroute mitten durch die Stadt führen wird. Der Canaletto-Blick ist dann für immer ruiniert, bei Tag und Nacht werden die Touristen aus Asien vom Schloss Belvedere aus keine Selfies ohne störende Flugzeuge schießen können."

Aufmucker und seine Mitstreiter haben bereits beim Internationalen Rat für Denkmalpflege um ein Gutachten angesucht. "Das Ergebnis ist eine reine Formsache", sagt er.

Wenn aber auch dieser Versuch scheitern sollte?

Aufmucker: "Dann lassen wir die österreichische Ruhe als immaterielles Weltkulturerbe schützen. Da fährt der Jumbo-Jet drüber."

Dritte Piste bis Bratislava?

Beim Wiener Flughafen zeigt man sich betont gesprächsbereit. Flughafen-Boss Julius Abfang-Jäger sagt: "Wir haben für den Ernstfall Überlegungen in der Tasche, die dritte Piste bis zum Flughafen Bratislava zu bauen. Die Maschinen rollen dann gemütlich die 40 Kilometer in die Slowakei hinüber und heben erst dort ab."  Auch Landeanflüge über Wien würden dann der Vergangenheit angehören, weil das System auch für Ankünfte gelten würde.

Abfang-Jäger sieht folgende Win-Win-Situation: "Im Taxi-Modus verursachen die Flugzeuge weit weniger Lärm und unsere Fluggäste können dennoch bequem bei unserem übersichtlichen Skylink ein- und auschecken - und vor allem: Weiterhin das unglaubliche Shoppingerlebnis genießen!"

Hofer: Vierte Piste kommt!

Aus der Regierung kommen hingegen wesentlich schärfere Töne. Verkehrsminister Norbert Hofer: "Die werden sich noch wundern, was alles möglich ist. Wir haben bereits Pläne für eine vierte Piste in der Tasche." Diese Start- und Landebahn werde für einen "Pilot-Versuch" mit superschnellen Überschall-Knall-Flugzeugen gebraucht.

Bis die vierte Piste kommt, würden einstweilen 10 Kilometer der Westautobahn für den Testlauf gesperrt, sagt Hofer.