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SATIRE
09/16/2019

Österreich 2019: Als Peter Filzmaier Bundeskanzler wurde

Was, wenn "House Of Cards" nicht in den USA gedreht, sondern in Österreich gelebt würde? Eine TV-Staatsoperette in fünf Staffeln.

von Guido Tartarotti

Die österreichische Politik als operettenhafte Reality-TV-Serie? Manche sagen, soweit kommt es noch. Andere meinen, wir sind schon längst mitten drin.

Und so geht es weiter in den kommenden Staffeln.

Staffel 1: Die Parteien geraten beim Finale des Wahlkampfs in Streit um die Frage: Wie viel ist eins plus eins?

Sebastian Kurz erklärt, eins und eins ist natürlich nicht zwei, sondern 2.000. Exakt so viele haben ihn nämlich kürzlich bei der Besteigung des 3.800 Meter hohen Leitha-Gebirges (ohne Sauerstoffgerät) begleitet. Außerdem ist die Additionsroute geschlossen.

Pamela Rendi-Wagner sagt, die Rechnung sei ein typisches patriarchal-faschistoides Konstrukt, wichtig sei eine Frauenquote, jede zweite Eins müsse weiblich sein. Hans Peter Doskozil ergänzt: 1 + 1 = ich. Und: Wer sei eigentlich Rendi-Wagner?

Herbert Kickl sagt, arabische Zahlen sind abzuschieben. Norbert Hofer sagt, er habe beide Einsen so lieb. HC Strache sagt, er kann das Beispiel ohne Taschenrechner nicht rechnen, jemand habe ihm Alkohol in den Wodka gemischt. Philippa Strache sagt, HC solle den Mund halten, und streichelt eine Katze plus einen Hund.

Die Grünen sagen, die Rechnung sei klassisch neoliberale Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer und der Umwelt. Eins und eins haben das Recht, miteinander auch andere Lebensformen auszuprobieren als nur zwei. An den Schulen ist künftig zu lehren: Irgendeine Zahl plus noch irgendeine Zahl ergibt irgendwas, das Ergebnis ist zu tanzen.

Werner Kogler erzählt einen Witz: Treffen sich zwei Einsen mit Laktoseintoleranz an einer veganen Milchbar in Wien Neubau.

Beate Meinl-Reisinger findet, die Rechnung 1 + 1 = 2 sei eine für Liberale nicht tragbare Einschränkung der Wirtschaft. Die Wirtschaft fragt: Wer ist Meinl-Reisinger? Peter Haselsteiner spendet die Zwei. Matthias Strolz schreibt für die Zwei ein Liebeslied.

Die Liste Pilz hat nicht mehr genug Abgeordnete, um das Beispiel zu rechnen. Peter Pilz belästigt versehentlich die zweite Eins sexuell.

Staffel 2: Die Politiker gehen miteinander ins Freibad

Kurz springt vom 35 Meter hohen Dreimeterbrett (ohne Sauerstoffgerät). Pilz springt vom Beckenrand. Strache will Meinl-Reisinger ins Wasser stoßen, fällt dabei selbst hinein und beschwert sich: Jemand habe ihm Wodka ins Badewasser gemischt. Kogler geht ins Kinderbecken,weil er sich so jung fühlt. Doskozil lässt heimlich die Luft aus Rendi-Wagners Schwimmflügeln. Kickl hat ein aufblasbares Schaukelpferd. Hofer hat das Bad so lieb. Philippa rettet eine Ameise

Kogler füttert die Ameise mit Eis und erzählt ihr einen Witz. Pilz füttert die Ameise mit Bier. Rendi-Wagner fordert eine Arbeitszeitbegrenzung für Ameisen. Meinl-Reisinger bietet der Ameise einen Platz auf der Neos-Liste an. Kickl will auf der Ameise reiten, als die ihn abwirft, fordert er ihre Abschiebung. Hofer hat die Ameise so lieb. Strache versucht, die Ameise zu schnupfen. 

Kurz erschlägt die Ameise und meldet an die Weltpresse: „Ameisenstraße geschlossen, Kurz rettet Freibadbesucher vor drei Meter langem Raubtier.“
 

Staffel 3:  Die Politiker hautnah nach Verkündung der Wahlergebnisse

Am Wahlabend erreicht die ÖVP 37 Prozent der Stimmen. Sebastian Kurz, der am Nachmittag mit 120.000 Fans den 4.500 Meter hohen Semmering (ohne Sauerstoffgerät) bezwungen hat, spricht von Wahlbetrug: Jeder weiß, dass die ÖVP in Wahrheit 102 Prozent  bekommen hat. SPÖ und FPÖ liegen gleichauf mit 20 Prozent auf Platz zwei. 

Kickl sagt, arabische Zahlen sind abzuschieben. 

Rendi-Wagner kritisiert das Wahlergebnis als typisch patriarchal-faschistoides Konstrukt. Hans-Peter Doskozil sagt, mit ihm hätte die SPÖ 20,5 Prozent geschafft und ergänzt: Wer sei eigentlich Rendi-Wagner?
 
Hofer sagt, er habe die 20 Prozent so lieb. Strache trinkt einen alkoholfreien Wodka und rechnet. 

Philippa sagt, HC solle den Mund halten und streichelt 20 Prozent aller im Raum anwesenden Katzen und Hunde.

Die Grünen weigern sich, ihr Wahlergebnis in Zahlen anzuerkennen und wollen die Mandate lieber tanzen. Kogler erzählt einen Witz, in dem ein Grüner und ein Türkiser gemeinsam den 1.500 Meter hohen Stammtisch eines veganen, laktosefreien Lokals in Wien Neubau besteigen (ohne Sauerstoffgerät).  

Meinl-Reisinger  ist mit dem Wahlergebnis unzufrieden und will die Neos an Haselsteiner verkaufen. Der verweist sie an „2 Minuten, 2 Millionen“. 

Peter Pilz kommt auf ein Prozent der Stimmen und belästigt dieses Prozent versehentlich sexuell. 

Staffel 4: Die Regierungsverhandlungen verlaufen schwierig 

Sebastian Kurz fordert 37 Ministerposten, 78 Staatssekretäre und drei Bundeskanzler für die Türkisen, schließlich habe die ÖVP mehr als 800 Mandate im Nationalrat sowie den 6.700 Meter hohen Anninger gemeinsam mit einer Million Fans (ohne Sauerstoffgerät) bestiegen. 

Kickl sagt, das Ergebnis sei ungültig, die Zahlen sind bereits abgeschoben. 

Hofer hat den Anninger so lieb. 

Strache trinkt Wodka-freien Alkohol und lernt das Wort „Anninger“ auf Russisch. Philippa sagt, HC solle den Mund halten und streichelt Kickls Schaukelpferd. 

Rendi-Wagner stellt sich, um besseren Kontakt zum Wahlvolk zu bekommen, in die Mariahilfer Straße. Nach drei Tagen wird sie zum ersten Mal angesprochen. Der Passant fragt: Sind Sie die Meinl-Reisinger? 

Der Passant sieht aus wie Doskozil

Meinl-Reisinger wertet das als Erfolg liberaler Politik und sagt: Ja, ich bin’s! 

Ein anderer Passant sagt: Sie kenne ich, Sie sind der Strolz

Kogler erklärt sich bereit, die Grünen bis zum Jahr 2035 zu führen und dann Platz für junge Talente zu machen, und erzählt einen Witz über einen alten, weißen Mann, der in einem veganen Lokal in Wien Neubau eine Leberkässemmel isst. 

Pilz findet niemanden zum Belästigen. 

Es kommt keine Koalition zustande, daher gibt es Neuwahlen. Nach insgesamt 58 TV-Duellen auf sieben Sendern heißt der überlegene Wahlsieger – Peter Filzmaier. 

Staffel 5: Ausblick ins Jahr 2035

Bundeskanzler Filzmaier von der Liste Filzmaier führt das Land mit sicherer Hand, seine Initiative „Gratis-Solarium für alle“ hat für soziale Ruhe gesorgt. 

HC Strache führt eine Bar für alkoholfreie Wodka-Degustationen auf Ibiza und schweigt seit Jahren. Philippa hat gleich nebenan ein Geschäft, in das die Leute ihre Haustiere bringen, wenn diese gestreichelt werden wollen.

Kickl hat sich mit seinem Holzpferd selbstständig gemacht und arbeitet als Fiaker. Als er erkennt, dass das Pferd ein Araber ist, schiebt er sich selbst ab.

Meinl-Reisinger hat sich selbst privatisiert. 

Kogler, 84, sagt, er möchte in Pension gehen, lässt sich aber von sich selbst überreden, für die Grünen bei der Nationalratswahl, allen Landtagswahlen, der Wahl zum Klassensprecher seiner alten Schule, der zum Pfarrgemeinderat, beim Witze-Stammtisch auf Puls4 sowie der Wahl zum Mister Vienna anzutreten. 

Kurz hat die Politik verlassen und wird Dritter bei der Mister-Vienna-Wahl hinter Kogler. Anschließend gründet er eine Religion mit sich als Heiland und Volk in Personalunion und besteigt  mit seinen 800 zwölf Jüngern den 9.000 Meter hohen Stephansdom (mit Sauerstoffgerät).
 

Pamela Rendi-Wagner ist Vorsitzende der Wahren Sozialdemokratischen Partei Österreichs. Dozkozil ist Vorsitzender der Aber wirklich echt Wahren Sozialdemokratischen Partei Österreichs.

Peter Pilz hat sich versehentlich selbst sexuell belästigt und löst sich in Schall und Rauch auf. 

Hofer hat alles und alle sehr lieb. 

Österreich wird aufgrund des Klimawandels unbewohnbar. Weltpräsidentin Greta Thunberg lässt Österreich daraufhin vom Rest Europas absägen und rechts neben Island vor Anker legen. Bundeskanzler Filzmaier freut sich und legt sich in die Sonne.
 
Alles ist gut.

 

Text: Guido Tartarotti; Grafische Gestaltung: Christine Karner