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Schlag-Zeilen
10/10/2019

Stockholm-Syndrom: Literaturnobelpreis für H.C. Strache

Die wichtigste Literaturauszeichnung der Welt geht dieses Jahr erstmals an Facebook-Texte.

von Peter Temel, Christine Karner

Die Schwedische Akademie, die 2018 wegen eines internen #MeToo-Skandals keinen Literaturnobelpreis vergeben hat, ist ihrer Unberechenbarkeit treu geblieben. 

H.C. Strache bekommt die höchste Auszeichnung der Literaturwelt für das Jahr 2019. Ausgezeichnet wird der 50-Jährige, so die Jurybegründung, für "Texte von starker emotionaler Kraft, welche die Brüchigkeit eines überkommenen Männlichkeitsbildes in Zeiten höchster existenzieller Krise auf eindringliche und gleichzeitig absurde Weise bloßlegen".

Während 2016 mit Bob Dylan erstmals ein Musiker für seine Songtexte prämiert wurde, hat die Akademie mit der Auszeichnung für die Facebookpostings eines Ex-Politikers eine weitere neue Textform für den Literaturnobelpreis erschlossen. Ausdrücklich ausgenommen davon seien Straches Texte vor Ibiza. „Das Herausragendste in idealistischer Richtung“, so die historische Vorgabe Alfred Nobels, habe man da noch keineswegs erblicken können. Gewürdigt werde nun aber eine "Hinwendung zum künstlerischen Wollen", was sich nicht zuletzt in den mäandernden Bearbeitungsverläufen in Straches erratischem Facebook-Werk äußere. "Wir sehen hier einen Mann, der wenn schon nicht mit sich selbst, so zumindest mit seinen Hervorbringungen ringt“.

Handke schäumt

Schriftsteller Peter Handke, der zweite in diesem Jahr ausgezeichnete Literaturnobelpreisträger aus Österreich, gab nach dem Bekanntwerden der Prämierung Straches spontan bekannt, den Preis aus Protest nicht annehmen zu wollen. Elfriede Jelinek und die weiteren dreizehn noch lebenden Preisträger wollen ihre Literaturnobelpreise ebenfalls zurückgeben. Bob Dylan hingegen meinte, er sei sich nicht sicher, ob er den Preis überhaupt jemals angenommen habe.

"Preis gehört Philippa"

Auf dem offiziellen, mittlerweile von der FPÖ kontrollierten „H.C.-Strache“-Facebook-Auftritt herrscht Schweigen. Auf seinem Privat-Account schrieb Strache: "Diesen noblen Preis (Smiley), den ich natürlich gerne persönlich abhole, widme ich meiner Frau Philippa. Angesichts des Preisgeldes von (ich hab’s schnell umgerechnet) 831.000 Euro sollte sich nun ganz Österreich eingestehen, dass die monatlichen 9.500 Euro für ihre Social-Media-Betreuung jeden Cent wert waren!"

In der FPÖ sieht man das diametral anders: Da man den nun preisgekrönten Account "H.C. Strache" schon vor Wochen für sich reklamiert und in eine "Marke" umgewandelt habe, müsse das schwedische Preisgeld nun auf das Parteikonto überwiesen werden. Strache drohte dagegen sofort eine Klage an und teilte einen verschwörerischen Online-Artikel mit dem Titel: "Totgesagte kassieren länger!"