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Schlag-Zeilen
11/30/2019

Verhandlungen Türkis-Schwarz gescheitert; Grün für Radwege auf Ameisenstraßen

24 durchgeknallte Türen: Der Advent im Parlament, von Rentierumarmen bis Radieschenwiederaufforsten

von Birgit Braunrath, Christine Karner

Die fünf Parlamentsparteien präsentieren ihren Anhängern am Sonntag die selbstgebastelten Adventkalender 2019. Wie KmS unter der Hand erfuhr, sind die Ideen so unterschiedlich wie die Parteiprogramme.

Weihnachtsmännlichkeitsseminar

Die Neos wollen heuer endgültig beweisen: „Wir sind keine One-Man-Show!“ Daher steckt hinter jedem Türchen ein handsigniertes Instagram-Selfie von Beate Meinl-Reisinger. Nur am 24. kommt Matthias Strolz zum Vorschein – als Weihnachtsmann, der zum Weihnachtsmännlichkeitsseminar mit Rentierumarmen einlädt, welches dann auf Puls 4 live übertragen wird. Alle Neo-Neos-Abgeordneten schauen ihre Klubchefin fragend an: „Wer ist das?“

Radieschenwiederaufforstung

Die Grünen setzen auf Nachhaltigkeit und verwenden klimaneutral ihren Mehrweg-Adventkalender aus 2017 und 2018, müssen aber feststellen, dass alle Kästchen leer sind, weil sie im Dezember 2017 und 2018 gar nicht im Parlament und außerdem pleite waren. Rasch werden grüne Kernforderungen für die laufenden Koalitionsverhandlungen formuliert und als Geschenk an die Basis hinter jedem Türchen versteckt: Radieschenwiederaufforstung am Zentralfriedhof, Radwege auch auf Ameisen- und Wasserstraßen, Plastiksackerlverbot in der Blutspendezentrale ...

Strache darf nicht singen!

Die FPÖ bastelt einen Musik-Adventkalender, kann sich aber nicht einigen, ob am 24. Norbert Hofer „Süßer die Glocken nie klingen“ oder Herbert Kickl die vier bösen Wirten von „Wer klopfet an?“ singen darf. Also singen beide gleichzeitig. Es wird Gehörschutz beigelegt. Hinter den übrigen Fenstern erklingen 23 Einzelfälle: Burschenschaftsschlager aus Liederbüchern, die in diversen Kellern auf- und untergetaucht sind (antisemitische Textstellen dürfen bleiben, weil die Anhänger auf diesem Ohr taub sind). H.C. Strache droht zu singen, wird aber aufgefordert, schleunigst seinen Text zu vergessen.

Rendi-Wagner im 25. Fenster

Da unklar ist, ob die SPÖ bis Weihnachten ausgestorben sein wird, soll es nur wenige Exemplare des Adventkalenders 2019 geben, und zwar in Christbaumform zum Selberbasteln: 23 leere Kugeln, auf die man Fotos von Menschen kleben kann, die man als neue Parteimitglieder angeworben hat. Sollte tatsächlich jemand bis zum 23. kommen, wird er am 24. zum neuen Parteichef ernannt. Falls nicht: Für den 24. gibt es Ausschneide-Sterne mit Hans Peter Doskozil, Georg Dornauer und Doris Bures‘ Goldhamster. Einer davon kann wahlweise an die Spitze geklebt werden. Pamela Rendi-Wagner wurde gesagt, der Christtag sei einer der allerhöchsten Feiertage, daher willigte sie ein, hinterm 25. Fenster zu warten.

Koalitionsverhandlungen Türkis-Schwarz gescheitert

In der ÖVP gibt es, trotz mehrerer Koalitionssgespräche zwischen Türkis und Schwarz, keine Einigung in der Frage: Kommt am 24. das Christkind oder San Sebastian? Da keine Seite die religiösen Gefühle der anderen verletzen wolllte, gibt es den ÖVP-Adventkalender heuer in zwei Ausführungen: in Schwarz und in Türkis. Im Schwarzen wartet hinterm 24. Türchen das Christkind, im Türkisen der Heilige Sebastian.