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Schlag-Zeilen
05/09/2019

Wahl-Wiederholung in Istanbul: Der Kleber kommt aus Österreich

Nach der Wahl-Annullierung in der Türkei ist Expertise aus Österreich plötzlich sehr gefragt.

Mit Wahl-Wiederholungen kennt man sich in Österreich aus. Das heimische Know-How soll nun bei der Neuaustragung der Bürgermeisterwahl in Istanbul zum Einsatz kommen. Die Erdogan-Partei AKP sieht nämlich keinen Grund, am 23. Juni eine weitere Wahlniederlage einräumen zu müssen.

Kleber zu stark

Vor allem bei den Wahlkuverts hatte die türkische Wahlkommission eine Schwachstelle ausgemacht. Der Kleber hielt viel zu gut, was eine unauffällige Kreuzerl-Kontrolle vor der offiziellen Auszählung unnötig erschwert habe.

Zuletzt habe man sich aber durch mehrere Erdogan-Besuche ein Bild über demokratische Vorgänge in Europa gemacht, sagt ein AKP-Sprecher. Insbesondere die österreichische Bundespräsidenten-Wahl von April bis Dezember 2016 habe man "als ein Vorbild an Krisen-Management“ genau studiert. "Es wurde damals ein Kleber verwendet, der für uns sehr interessant ist", heißt es in Regierungskreisen. Daher habe man beschlossen, die Kuverts für die neuerliche Wahl in Österreich herstellen zu lassen. Dass ein paar Tranchen des Klebstoffs in Deutschland produziert werden, sei lediglich ein picksüßer Wermutstropfen. 

Auch im digitalen Bereich dürfte Österreich das Rennen machen. Die Türkei zeigt starkes Interesse an jener Handy-App des Bundes, durch die jüngst hunderte Wahlkartenanträge nicht weitergeleitet wurden. "Die Wahlkommission ist begeistert", heißt es.