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TV-Tagebuch
04/01/2019

Villacher Fasching: Ma, hob i heit wieder a Latt‘n

Birgit Braunrath und Guido Tartarotti haben versucht, die berüchtigtste Faschingssitzung zu überleben. Es ist ihnen vermutlich gelungen.

von Birgit Braunrath, Guido Tartarotti

Der Villacher Fasching begann heuer mit zwei Narren (und nein, es blieben nicht die einzigen beiden das Abends). Und mit Reimen wie „Innenminister-Schmäh/Pferdefutter-Budget“. Oder „Karren-verfahren (verfarren?)-Käfig voller Narren“.

Danach sprachen die Narren im Käfig folgende denkwürdige Worte: „Und wisset, ist die Sitzung aus/unser Lohn ist euer Applaus.“

Leider war die Sitzung da aber nicht aus. Dabei hätten wir wirklich, wirklich, wirklich applaudiert.

Dann wurde die Faschingsprinzessin Anna vorgestellt: „Sie ist mehrfache WM-Teilnehmerin im Rudern.“ Anna beginnt daraufhin leider nicht zu rudern, sondern zu singen. (Nein, das ist unfair: Könnten alle an dem Abend so gut singen wie sie, es wäre alles deutlich weniger schlimm.)

Dann zeigt die Kamera die im Publikum sitzende Mausi Lugner, wobei der Höhepunkt an Prominenzbeteiligung bereits erreicht ist.

Erster Star des Abends ist traditionsgemäß der „Nachzipfer“. Die Witze spielen sich ungefähr auf diesem Niveau ab: „Sabbatical ist bezahlter Krankenstand auf unbestimmte Zeit, ohne dass einem was fehlt.“ Oder: „Strache schaut  vorm Schlafengehen immer auf den Globus und träumt vom blauen Planeten.“ Oder: „Je suis fatigué.“ – „Mir is a fad, i geh ah.“ Oder: „Der indische Taxler zeigt mir seine Töchter und sagt ,Namaste‘. Und i sog, na, die nammat i ned.“

An dieser Stelle fährt die Kamera diverse im Publikum entgleisende Oberweiten entlang.

Danach kommen einige Kickl-Witze. „BVT – Besonders vertrottelte Aktionen.“ – „Pferd – ein ein-PS-iger Polizistentransporter.“ Gelacht wird wenig, Kickl-Witze gehen hier nicht besonders gut.

Die Kamera fährt durchs Publikum. Manche sehen ausgestopft aus.

Es kommt ein Rendi-Wagner-Witz („da rennt die Wagner“), Landeshauptmann Peter Kaiser lacht schallend.

Jetzt zeigt die Kamera im Publikum Richard Lugner und Alexander Wrabetz, und damit ist die anwesende Prominenz vollzählig abgefilmt.

Pöpsche mit Gurkenmaske

Die Garde zeigt jetzt beim Tanzen viele Pöpsche, dazu gibt es die Musik von „Fluch der Karibik.“ Damit ist der Abend genau genommen perfekt zusammengefasst.

Es geht weiter mit „Männerabend“ in der Sauna. Kuno Kunz trägt bordeauxfarbenen Pullunder über einem türkisen Froteebademantel, der sich farblich mit der grünen Gurkenmaske beißt. Der rote Liegestuhl trägt Buchstaben: „Wer rastet, der prostet.“ Dieser Spruch kommt kurz darauf zum Zug, als „da Hone“, Villachs Nachwuchs-Vokuhila Hans-Jörg Petrik, krebsrot der Saunakammer entsteigt und sagt, was Männer mit falschen Goldketterln und aufgemalten Muskelpaketen sagen müssen: „I brauch a Bier. Mogst a ans?“ Der Liegestuhl und die Gurkenmaske antworten: „Jo, gern, solang du ma ned des Wossa reich’n konnst.“

Vokuhila und Gurkenmaske reden über Frauen. Und über Autos. Für mehr reicht’s nicht. Aber das reicht eh. „Bei 90 Prozent der Autounfälle is da Mann schuld, weil es is zu 90 Prozent der Mann, der da Frau die Autoschlüss’ln gibt.“  Die Freundin vom Vokuhila ruft an, und er ächzt ins Handy: „Wos haßt, des Auto geht ned? Wenn i ned dabei bin, muasst du links sitz’n, do wo’s Lenkradl is.“ – Das bleibt der Schenkelklopfer des Abends. Frauen weinen vor Lachen.

Der Verkehrsminister wird im Publikum gesehen. Er ist in seinem Element. Zum Glück ist der Polizeiminister nicht da, der hätte angesichts der Polizistenwitze Sicherungshaft verhängt. Da sagt doch glatt der Vokuhila: „Mein Bruda wird Polizist, des is des gleiche wia Prostituierte, dea steht a auf da Stroßn, und die Familie schamt si dafia.“

Büchsenöffner und Milch

Jetzt kommt der sogenannte „Probenchor“ (da ist erstmals Superstar „Noste“ dabei). Der erste Witz dreht sich um die phonetische Abfolge „voices – foisch is – wo isses? – I waaß a ned, wo es is!“

Faschingsprinzessin Anna, mehrfache WM-Teilnehmerin im Rudern, rudert beim Lied „Volle Party“ sehr schön im Takt mit.

Dann folgen mehrere Witze, die sich um Begriffe wie „Zelt aufstellen“, „Zeltstangen“, „Latten“, „Nageln“ und „Büchsenöffner“ drehen.

Bei „Ehe(mals) anders“, gleich im Anschluss, klingt der Titel komplizierter, als die Handlung: Frau putzt, wischt, bedient den Mann. Mann kommandiert: „Meine Potsch’n! Und a Messa! Dei Ausseh’n des wird a ned .....“ ?? – Richtig: „... bessa!“

Nein, hier wird’s nicht bessa. Ganz im Gegenteil. Die Jahre ziehen ins Land, die Frauen ziehen die Kleiderschürze aus und singen dazu „Kumm ziag die Schürz’n aus, dei Oida is ned zaus“ oder „I Want To Break Free“ (– wer nicht, wenn er das hier hört?). Dann gehen sie auf Aufriss. Hoffentlich nicht in den Publikumsraum. Dort wartet nämlich Richard Lugner.

Die Ehemänner braten sich daraufhin Alexa ein: „Alexa, bring drei Bier!“ (falls Sie sich jetzt fragen, ob H. C. Strache mitgespielt hat, nein, Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen sind reiner Zufall – und bei 99 Prozent der Schmähs ohnehin unmöglich).

Jedenfalls schickt Alexa per Flaschenzug einen Korb mit drei Litern Milch. Entweder sie spricht nicht Kärntnerisch. Oder sie weiß noch nicht, dass man den Villacher Fasching nur mit Alkohol und sicher nicht mit Kälbernahrung durchhält.

Einlauf und K-Punkt

Nun folgt eine besonders grauenhafte Szene, die Parodie auf eine Sportsendung.  Eine natürlich notgeile Putzfrau (sowas liebt man im Villacher Fasching) muss als Moderatorin einspringen. Der zweite Witz dreht sich bereits um den falsch verwendeten Begriff „Einlauf“.

Eine Hans-Krankl-Parodie findet ihren Höhepunkt in der Formulierung „Bodewaschl von Tschesolo“. Dann wird irgendwas von Handschuhen geredet, völlig ohne Sinn, nur, um das Wort „gepudert“ abwerfen zu können. Dann gibt’s noch Witze, beruhend auf „Neymar – der kann neyma“.

Anschließend kommt ein Skispringer auf die Bühne und sagt den natürlich einzig möglichen Satz: „Ma, hob i heit wieda a Latt‘n!“ (er bringt allerdings zwei Latten mit). Die Putzfrau antwortet naturgemäß mit „Wos hom Se fia a riesiges Gerät!“ Und er findet dann die kürzeste Verbindung von K-Punkt zu … ach, Sie ahnen es eh längst.

Die Kamera zeigt jetzt eine Frau im Publikum, die sich die Tränen trocknet. Ungeklärt bleibt, warum.

Dann … wir dachten schon, heuer geht es ohne … kommt sie: Die Schwulen-Parodie. Es geht um ein homosexuelles Eiskunstlauf-Pärchen, und die Nummer ist so beschämend schlecht, dass sie hier keine weitere Beschreibung verdient. Aber jemand sagt: „I scheiß mi o“ – und der Saal explodiert vor Lachen.

Dolores und eine Lüge

Danach sagt die Putzfrau/Moderatorin: „Gott sei Dank samma am Schluss der Sendung.“

Und das war leider gelogen.

Am Gipfel der Gaudi dann das Solo für Noste. Der muss hier die Stellung halten, da weder Apotheker noch EU-Bauer das Niveau untergraben. Er muss aber offensichtlich auch deshalb hier arbeiten, weil sein zweites Standbein wackelt: „Beim AMS is a ka Zukunft mehr. Zahl’n tuans immer weniger, de wean no schau’n, wenn ana noch’m andern weggeht.“

Dritter Grund, warum er Pointen verschleudern, statt, sagen wir, Semmeln verkaufen muss: Er kann’s ned. Das AMS schickt ihn zum Bäcker, er macht dort Semmeln und kriegt vom Meister zu hören: „Die kannst gleich als Brandteigkrapferln verkaufen!“ – Leider kein Geruchsfernsehen, sonst hätte der Gestank nach verkohlten Semmeln die Rauchmelder alarmiert, und alle könnten endlich schlafen gehen.

Aber nein, Noste hat’s versemmelt. Jetzt braucht er „an Urlaub“. Wir müssen mit aufs Traumschiff. Der Noste hat aber – strafverschärfend – eine „Bauchtanz-Fanreise mit Dolores“ gebucht. Die Bäuche steigen ein, der Noste zählt mit: Obwohl das Schiff 3778 Plätze hat, wird die Beladung bei 1244 Passagieren behördlich gestoppt. Wieso? Weil das Meer sonst übergegangen wäre. Müde. Lacher. Mehr nicht.

Beschreiben lässt sich das, was jetzt folgt, nicht. Zumindest nicht in druckreifen Worten. Sagen wir so: Es handelt sich um einen Bumm-bumm-Glock’n-Witz, während Dolores auf Nostes Schoße sitzt. Es wirkt mit: der „Heilige Bimbam“. Klingelt’s? Bruhaha. Ob die Schenkel das überstehen werden?

Die ganze Nacht

,Jetzt kommt eine Band und singt „Wir singen Lei-lei, und das die ganze Nacht“, und kurz bekommt man wirklich Angst vor dieser gefährlichen Drohung. Aber der ORF steigt dann doch drei Minuten später aus und lässt den Rest der Nacht unübertragen.

Wir erwägen kurz, vor Glück zu weinen. Lassen es aber bleiben.